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Schützenlexikon

Friedrich-Wilhelm II

Friedrich-Wilhelm II (*1744 - † 1797)

Am 8. Juni 1788 besuchte der König von Preußen, Friedrich Wilhelm II, unsere Stadt. Dem Besuch waren zahlreiche Verbesserungen der örtlichen Infrastruktur vorausgegangen. Aus Dankbarkeit versetzte der Besuch des Königs die Bevölkerung in riesige Freude. Die Menschen schmückten die ganze Stadt, feierten und jubelten ihrem Monarchen zu.

 

Um diese Freude verstehen zu können, muss weiter ausgeholt werden: Gute 180 Jahre vor dem Besuch wurde unsere Heimat nach dem Erbfolgestreit (1609-1614) dem Brandenburgischen Kurfürst Johann Siegismund zugesprochen. Von einer Verschmelzung der westfälischen Gebiete mit Brandenburg war man jedoch weit entfernt. In Berlin empfand man das westfälische Erbe oft als Last. Noch Preußenkönig "Friedrich der Große" hatte keine gute Meinung über die Westfalen und fragte, "ob diese menschlichen Figuren denkende Wesen seien oder nicht."

Nach dem Siebenjährigen Kriege (1756-1763), in dem zahlreiche Söhne Westfalens für den König kämpften und starben, bahnte sich ein besseres Verhalten zwischen der Mark und dem König an. 1786 starb der "Alte Fritz" und sein Neffe Friedrich-Wilhelm II. wurde König von Preußen. Bei seinem Amtsantritt war er äußerst beliebt, und das Volk erhoffte sich eine allgemeine Besserung seiner Lage.

Der "westfälische Provinzialminister" Von Heinitz setzte sich in Berlin für die Westprovinzen ein und erreichte, dass der König den Westen seines Staates besuchte.

 


Der König auf Wirtschaftsmission im Sauerland

Friedrich-Wilhelm II war ab 1786 König von Preußen. Er war ein Lebemann, grundverschieden von seinem Onkel Friedrich II. (Der Alte Fritz) und setzte das Werk seines viel bekannteren Vorgängers nicht fort. Er wurde im Volk häufig "Der dicke Lüderjahn" (Taugenichts) genannt.

Bei seinem Regierungsantritt war er sehr beliebt, und das Volk erhoffte sich eine allgemeine Besserung seiner Lage. Der neue König verlegte die Residenz von Sanssouci nach Berlin zurück, schaffte eine verhasste Steuer ab, förderte Kunst und Kultur, verteilte Orden, Auszeichnungen und Rangerhöhungen.

Im Gegensatz zu seinem agnostischen Vorgänger, der gemeint hatte, jeder müsse nach seiner Fasson selig werden, bekannte sich Friedrich Wilhelm II., der seit 1781 dem Rosenkreuzerorden angehörte, zur reformatorischen Lehre [Reformation]. Allerdings sicherte er auch den anderen Konfessionen die freie Religionsausübung zu.

 

Auch militärisch war Friedrich Wilhelm II. aktiv: So half er seinem gestürzten Schwager gegen niederländische Patrioten, unterstützte Ludwig XVI. gegen französische Revolutionäre und teilte sich 1794 gemeinsam mit Russland das verfeindete Polen auf.

 

 

Im Jahre 1788, also zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, besuchte der König das märkische Sauerland. In Altena überzeugte er sich von den Fertigkeiten der dortigen Fabrikanten.

Diese waren dem König zutiefst dankbar, da kurz zuvor enorme Anstrengungen zur Verbesserung der Infrastruktur unternommen wurde. Dazu gehört der Bau jener Straße, die wir heute in Altena und Nachrodt als Bundesstraße 236 bezeichnen.

 

So ist überliefert, dass die Straßen von Nachrodt nach Altena für diesen Besuch stark ausgebessert wurden und die Fabricanten auf der neugebauten Lennebrücke zu Nachrodt einen Ehrenbogen mit lateinischer Aufschrift errichteten. Sechs Mädchen vom Lande sagten dem König dort ihr Gedicht auf bevor dem Monarchen hier eine berittenen Abordnung der Altenaer entgegen kam.

Auf dem gesamten Weg nach Altena standen die Fabricanten mit ihren Werkstücken Spalier.

In der Brachtenbecke, wo die Altenaischen Drahtrollen anfingen, erwartete der Magistrat von Altena, nebst Vorstehern und Zunftmeister der Fabricquen den Kronprinzen.

An dem Weg von der Brachtenbecke bis zum Hünengraben standen 60 Uniformierte mit Marschallstab in der Hand, der oben mit Eichenlaub umwunden und mit einem roten Bande geziert war.

Außerdem waren auf dem Weg von der Brachtenbecke bis in die Freiheit insgesamt sechs Ehrenbögen errichtet worden, der erste am heutigen Selvekreisel.

Dann besuchte der Kronprinz die Fabriken am Hünengraben und setzte seinen Weg anschließend über die Bahnhofstraße fort. In Höhe der heutigen „Hünenburg“ sangen Chöre und auf der „Großen Brücke“ streuten Mädchen Blumen auf den Weg.

Vor der Lutherkirche stand ein weiterer Ehrenbogen. Der Kronprinz besuchte die Lutherkirche, speiste in Altena und erhielt zahlreiche Gedichtsvorträge sowie Geschenke, die er huldvoll entgegen nahm.

Das ganze Volk war auf der Straße um seinen König zu empfangen und den Leuten standen die Freudentränen in den Augen.

„Am folgenden Tag vereinigte sich die ganze Bürgerschaft zu einem allgemeinen Fest, an dem alle ohne Unterschied der Stände bei frugaler und simpler Bewirtung sich den Empfindungen der Freude über den besten König überließen.“

 

Bürger und Schützen wollten sich fortan Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft nennen. Mit Cabinets-Order vom 09.07.1791 wurde diesem Wunsch schriftlich entsprochen. Im gleichen Jahr bestätigte der König außerdem, dass der Bungern seit jeher unveräußerliches Eigentum der Schützengesellschaft sei.

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Bild: www.wikipedia.de (Gemeinfrei); Maler: Anton Graff / 1792

Foto: Gerd Klimpel www.klimpelsjunge.jimdo.de / 2014