Noch 41 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Kirmes


Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

4. Zusatzinformationen

 

 


zu 1.: Allgemein

Ein Volksfest mit Fahrgeschäften bezeichnet man im Sauerland als "Kirmes".

Eine Recherche bei Wikipedia ergab, dass sich der Begriff "Kirmes" aus dem Wort "Kirchweihmesse" (Plural: Kirmessen) ableitet.

In anderen Gegenden wird ein solches Volksfest mit Fahrgeschäften auch als "Rummel" bezeichnet.


zu 2.: Heute in Altena

Seit 1869 wird zum Altenaer Schützenfest eine Kirmes auf dem Festplatz aufgebaut.

Seit 1976 wird der "Vergnügungspark" von der Schaustellerfirma August Schneider aus Lippstadt beschickt.

 

Am 04.06.2015 berichtete das Altenaer Kreisblatt wie folgt:

Altena - „Der Mann ist ein Phänomen“, sagt Platzmeister Volker Richter mit Anerkennung in der Stimme. Er spricht von August Schneider, dem Chef-Schausteller der Schützenfest-Kirmes auf dem Langen Kamp.

Er ist mittags auf dem Festplatz und soeben aus Gütersloh kommend eingetroffen. Jetzt organisiert Schneider das Einrücken von weiteren Zugmaschinen mit Anhängern, während die ersten Fahrgeschäfte im Aufbau langsam als solche erkennbar werden. Am Nachmittag wird Schneider wieder aufbrechen, dann liegen 500 Kilometer am Lkw-Steuer vor ihm. Nichts Ungewöhnliches? Doch, denn August Schneider ist 85 Jahre alt. Als der Lippstädter zum ersten Mal nach Altena kam, gehörte zur Kirmes noch eine Ausstellung der Wehrmacht.

Aber das Riesenrad auf dem Platz ist noch um einiges älter. Das Nostalgie-Riesenrad ist das einzige Fahrgeschäft in Deutschland, das mitsamt seinem Transportwagen unter Denkmalschutz steht. Es stammt aus dem Jahr 1918. Das Fahrgeschäft wurde damals durch Mitglieder der Düsseldorfer Schaustellerfamilie Bruch für den eigenen Betrieb gebaut. Heute gehört es Jörg Lotte aus Telgte.

Das Riesenrad ist eine Holzkonstruktion, bei der nur der Antrieb und die Hauptachse aus Eisen sind. Der Antrieb erfolge bis heute über den „originalen Schleifringmotor mit Salzwasseranlasser“, erklärt Lotte. Das stelle einen weichen und gleichmäßigen Lauf sicher. Im Laufe der Zeit wurden verschlissene Teile ausgewechselt, wobei man allerdings nicht in die Konstruktion eingriff, sondern den historischen Bestand unverändert kopierte: Hierzu zählen die zwölf Gondeln, genannt „russische Schaukeln“, und die Bemalung der Verkleidung (von 1938), später mehrmals übermalt. Es handelt sich um eines der wenigen Riesenräder älterer Bauart in Deutschland, die noch erhalten sind.

Wesentlich rasanter und mit High-Tec geht es auf dem benachbarten Fahrgeschäft zu, dem X-Faktor. Seine Gondel kann 16 Personen aufnehmen, die sich auf eine äußerst turbulente Fahrt freuen dürfen. Nicht nur, dass die Gondel bis auf einen Winkel von 125 Grad hoch gefahren werden kann – also fast über Kopf – sie dreht sich dabei auch mit überzeugender Geschwindigkeit um die eigene Achse.

Der X-Faktor gehört Franz Deinert aus Unna und ist mit einer computerisierten Steuerung ausgestattet. Sie überwacht auch, dass alle Bügel geschlossen sind.

Übrigens: Am Donnerstag, 4. Juni, gibt es mit dem Startschuss der diesjährigen Schützenfest-Kirmes auf allen Fahrgeschäften von 14 bis 15 Uhr Freifahrten.


zu 3.: Geschichte

Elf Jahre war nicht mehr gefeiert worden. Im August 1848 wollten zahlreiche Schützen nun wieder ein Schützenspiel abhalten. Wegen der "schlechten Zeitverhältnisse" schlugen sie vor, dass das Schützenfest zusammen mit der "diesjährigen Kirmeß" stattfinden sollte. Das nächste Schützenfest wurde jedoch erst 1850 und noch ohne Kirmes gefeiert.

1863 zog man das Schützenfest schon größer auf und suchte dazu einen geeigneten Platz. Am Linscheid feierten 1200-1500 Festbesucher.

Erst beim Schützenfest 1869 an gleicher Stelle wurde dem „Carroussel-Inhaber“ Heidmann gegen Vergütung die Erlaubnis erteilt, sich vor dem Festzelt zu „etablieren“.

Darüber hinaus gab es auf dem Festplatz eine „Bude für Bolzenschießen“ und „anderweitige kleine Konditor- und Kram-Buden hiesiger Einwohner“.

Seitdem ist die Kirmes fester Bestandteil des Schützenfestes.

Nach 1869 war der Festplatz dann der "Lange Kamp" auf der, der Freiheit gegenüberliegenden Lenneseite, zwischen Fluss und Gleisbett.

Um von der Freiheit auf den Festplatz zu gelangen, wurde extra eine Brücke von der Freiheitstraße über die Lenne zum Langen Kamp errichtet. Darüber mussten nicht nur die Festbesucher, sondern auch die Wagen der Schausteller.

1897 wurde die Kirmes u.a. mit einem "Caroussel", einem "Dampf-Caroussel" (Neuheit!), einem Panorama, einem Variete-Theater, dem Hippodrom, Spielzeugbuden sowie Gebäck- und Würstchenbuden beschickt. Am Festplatz war außerdem auch wieder "Conditor Pott" mit seiner "Leckerbude".

Seit 1953 engagiert sich Schausteller August Schneider aus Lippstadt beim Altenaer Schützenfest für die Kirmes und beschickt sie verantwortlich seit 1959. Er hat das Geschäft von seinem Vater übernommen, der schon vor dem II. Weltkrieg als Schausteller in Altena arbeitete. August Schneider ist 1940 geboren. Schon 1965 beschickte er die Kirmes mit einer Achterbahn, einem Riesenrad, einem Auto-Selbstfahrer und einem Flugzeugkarussell. In den 70-80er Jahren war das Hippodrom u.a. mit der Elefantendame "Jumbo" ein Publikumsmagnet.

Im Jahr 2000 wurde August Schneider von der FWG für seine 40-jährigen Verdienste um das Altenaer Schützenfest ausgezeichnet.

Noch beim Schützenfest 2015 packte er mit stolzen 85 Jahren beim Aufbau der Kirmes mit an.

Im August 2015 hat Schneider das Geschäft an seinen Sohn August Manuel Schneider weitergegeben, der das Familienunternehmen mittlerweile in der 6. Generation führt.

Im Zuge des Baus der Lenneuferstraße 1980 wurde die Lenne bis an den Bahndamm verlegt und das gesamte Erdreich am stadtseitigen Lenneufer angeschüttet.

Noch vor dem Fertigstellung der Lenneuferstraße konnte pünktlich zum Schützenfest 1979 auf dem "neuen" Langen Kamp am rechten Lenneufer gefeiert werden.

Seitdem werden beim Schützenfest dort Festzelt und Kirmes aufgebaut.


zu 4.: Zusatzinformation

Historisch erwähenswert ist noch die "Altenaer Kirmes", die von alters her Anfang September eines jeden Jahres zwischen der Burg Holtzbrinck und dem Totschlag, auf dem Markt (also vermutl. dem Bungern), der Marktstraße und der Bungernstraße stattfand.

1894 wurde die Genehmigung für diese Kirmes von der Bezirksregierung aufgehoben. Im Altenaer Kreisblatt von 1962 war zu lesen, dass "seitdem niemals wieder Kirmes in Altena begangen wurde. Daraus wird deutlich, dass für manchen Altenaer der bisher der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft fern stand, der Zeitpunkt gekommen war, sich doch in die Schützenliste eintragen zu lassen, falls er nicht gänzlich auf alle Lustbarkeiten in Altena verzichten wollte."

 

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Auch unabhängig vom Fest der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft gab und gibt es in Altena

von Zeit zu Zeit eine Kirmes / einen Rummel / einen Jahrmarkt ohne Schützenfest.

Diese Kirmes auf der Lennewiese wurde vom Hochwasser der Lenne überrascht.

 

Wieder ein Volksfest auf der Lennewiese, diesmal mit Blick auf die Lennestraße und den Markaner.

 

1978 war der Stadtumbau im vollen Gange: Wo hier die Kirmes am Bungern steht, ist heute ein Einkaufszentrum.

 


Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Björn Braun www.lokalstimme.de / 2015

Fotos 2-4: Entnommen aus dem Buch "Altena und seine Schützen" von Wilhelm Simons

Fotos 5-8: Unbekannter Fotograf