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Schützenlexikon

Knickebein


Übersicht

1. Allgemein

2. In Altena heute

3. Geschichte

4. Das "Knickebein"-Lied

5. Das Originalgedicht

6. Zusatzinformation

 

 


zu 1.: Allgemein

Neben Bier als wichtigstes Getränk, besitzen die Altenaer auch in Hinsicht auf die Spirituosen eine Extravaganz. Bekannt ist diese unter dem ungewöhnlichen Namen "Knickebein".

Laut Wikipedia ist ein Knickebein ein Cocktail aus Likör und einem rohen Eigelb oder aus Branntwein und Eierlikör. Knickebein wird auch eine bestimmte Art von halbflüssiger Füllung von Pralinen genannt. Eine Knickebein-Füllung besteht je zur Hälfte aus eierlikörhaltiger und fruchtsaftliköriger Fondantcreme.

Quelle: www.wikipedia.de


zu 2.: In Altena heute

In Altena taucht Knickebein zum ersten Mal in den Aufzeichnungen des Festessens 1869 auf.

Ein Knickebein ist grüner Minzlikör, darauf roter Kirschlikör und oben weißer Curacao. Darauf kommt ein rohes Eigelb, überstreut mit Pfeffer und Kaffeepulver.

Ein solch, im ersten Moment abschreckendes Getränk, hat natürlich eine Tradition und auch einen bestimmten Usus, wie es getrunken wird. Hierzu steht eine Person der trinkenden Gruppe auf und singt das Lied, dass die Tradition des Knickebeins nach Meinung der FWG-Schützen begründet.

Erst dann darf getrunken werden. Diese Prozession lernt jeder Schütze schon zu Beginn seiner Mitgliedschaft.

Quelle: Nadine Hampel; Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010


zu 3.: Geschichte

Der Name "Knickebein" geht auf unterschiedliche Überlieferungen zurück:

  1. Auf einen Studenten, der nach Jena kam um dort zu studieren und die Lebensweise der Studenten kennenzulernen. Von Geburt an hatte dieser eingeknickte Beine, weshalb er merkwürdig lief und überall schnell unter dem Namen Knickebein bekannt war. Eines Tages fand ein Fest statt und der Student mischte ein Gebräu aus drei Schnäpsen, nach dessen Genuss alle in ähnlicher Weisen liefen wie er.
  2. Auf den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer, der das Getränk aus der Schweiz mitbrachte und dem es angeblich neue Kraft in seinen Kämpfen gab.
  3. Auf einen früheren, unbekannten Schützenkönig, der vor langer Zeit in Westfalen einkehrte. Er trank ein Gemisch aus drei Schnäpsen, welches jemand ihm gab und knickte danach, mit den Beinen zuerst, ein.

zu 4.: Das Knickebein-Lied

Als der Sandwirt von Passeier

Innsbruck hat im Sturm genommen

Ließ es sich ein Dutzend Eier

Und dazu zwölf Schnäpse kommen

Machte daraus eine Mischung

Trank sie aus und knickte ein

Und seit dem heißt diese Mischung

In ganz Deutschland "Knickebein"

 

Knickebein, Knickebein, du mein Vergnügen, Knickebein, Knickebein, du meine Lust

Gäbs kein‘ Knickebein, gäbs kein‘ Vergnügen,

gäbs kein‘ Knickebein, gäbs keine Lust".

 


zu 5.: Das Originalgedicht

Das Originalgedicht "Andreas Hofer" hat Andreas von Schenkendorf 1813 verfasst:

 
 
Als der Sandwirt von Passeier
Innsbruck hat mit Sturm genommen,
  Die Studenten, ihm zur Feier,
  Mit den Geigen mittags kommen,
  Laufen alle aus der Lehre,
  Ihm ein Hochvivat zu bringen,
  Wollen ihm zu seiner Ehre
  Seine Heldentaten singen.
 
  Doch der Held gebietet Stille,
  Spricht dann ernst: »Legt hin die Geigen!
  Ernst ist Gottes Kriegeswille.
  Wir sind all dem Tode eigen.
  Ich ließ nicht um lust'ge Spiele
  Weib und Kind in Tränen liegen;
  Weil ich nach dem Himmel ziele,
  Kann ich ird'sche Feind' besiegen.
 
  Kniet bei euren Rosenkränzen!
  Dies sind meine frohsten Geigen;
  Wenn die Augen betend glänzen,
  Wird sich Gott der Herr drein zeigen.
  Betet leise für mich Armen,
  Betet laut für unsern Kaiser,
  Dies ist mir das liebste Karmen:
  Gott schütz' edle Fürstenhäuser!
 
  Ich hab' keine Zeit zum Beten,
  Sagt dem Herrn der Welt, wie's stehe,
  Wie viel Leichen wir hier säten
  In dem Tal und auf der Höhe,
  Wie wir hungern, wie wir wachen,
  Und wie viele brave Schützen
  Nicht mehr schießen, nicht mehr lachen –
 
Gott allein kann uns beschützen!"

 


zu 6.: Zusatzinformation

 

Hans Dieter Schulz schreibt in der Altenaer Schützenfestzeitung 2000:

Der Knickebein geht in die Beine

Schützenfest und Knickebein gehören in Altena einfach zusammen. Was hat es nun mit dem Knickebein auf sich? Er ist ein Likör, dem ein ganzer Eidotter beigegeben ist. Der Name wird so aufgefasst, dass diese Mischung in die Beine geht, nämlich die Beine knickt. Der Name selbst ist deutlich älter als diese alkoholische Mischung. Im ehemaligen Ostpreußen gab es eine Redensart: Stah stief Knäkerben, seggt de Sparling to´m Hadebar. Und im "Wörterbuch der westfälischen Mundart" von F. L. Woeste finden wir: "Das Knickebein, Schelte für einen, der mit geknickten Beinen geht. - Knickebene, im Hirtenreim: O heme, knickebene o lirgenblad! Usse kaü sind sad, dann gatt se na hus, dat se God bewart."  Die Übertragung des Reimes ins Hochdeutsche lautet: "Oh, nach Hause, Knickebeine, Oh Lilienblatt! Unsere Kühe sind satt, dann gehen sie nach Hause, auf dass sie Gott bewahre." In den Zeiten als dieser Reim entstand, dachte noch niemand an das alkoholische Getränk.

Über das Entstehen der Übertragung des alten Ausdrucks auf das alkoholische Getränk gibt es eine dichterische Überlieferung. In einem Studentenlied, das eine scherzhafte Nachbildung eines Gedichtes von Max von Schenkendorf (*)(1783-1817) darstellt, heißt es: „Als der Sandwirt von Passeyer - Innsbruck hat im Sturm genommen - ließ er sich ein Dutzend Eier - und ein Dutzend Schnäpse kommen, - machte daraus eine Mischung, - schlürft sie mit Behagen ein. - Seitdem nennt man die Erfrischung - in ganz Deutschland - Knickebein.“

Aber nach anderer studentischer Überlieferung wird die Erfindung des Knickebeins nicht mit dem Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer verbunden, sondern mit einem mecklenburgischen Studiosus zu Jena, der sei stets mit eingeknickten Beinen gegangen, daher habe sein Lieblingsgetränk seinen Spitznamen Knickebein geerbt.

Jedenfalls ist das Wort Knickebein als imperativische Bildung aufzufassen, als eine zum Hauptwort erstarrte Befehlsform nach Art von Vergissmeinnicht, Stelldichein, Tunichtgut, Luginsland usw. Gerade unter den volkstümlichen Bezeichnungen für Schnäpse finden sich viele solcher erstarrter Imperative. So kennen niederdeutsche Mundarten den Ausdruck "Smitum" (Schmeiß um!) für Branntwein, "Smit-den-Kärl“ für das Bier (in einem alten Märchen). Ein Leipziger Ausdruck für Schnaps lautet: "Wuppdich". Hessisch ist: "Rackermichdichtig!“ Eigentlich ist auch das Wort Schnaps selbst imperativischer Herkunft : „Schnapp es!“

Im Französischen heißt ein starker Schnaps cassegueuele, soll heißen „Sprengt die Kehle“. Noch drastischere und ebenfalls imperativische Volksausdrücke der Franzosen sind Casse-pattes "Brich die Pfoten" und roule-par terre "Wälz dich auf dem Boden". Was der Autor Altenaers Knickebeingenießern natürlich nicht wünscht.


Autor: Christian Klimpel / 2018; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Unbekanntes Vorstandsmitglied / 2015

Foto 2: Kompanie Mühlendorf / 2015