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Schützenlexikon

Knipping'sches Haus

Als "Knipping´sches Haus" bezeichnet man seit 1985 das Haus Freiheitstraße 32.

 

Der Name geht auf die ehemalige Besitzerfamilie zurück. Der Kaufmann Lebrecht Knipping hat sich für die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft sehr verdient gemacht. 1950 wurde er Zugführer, 1956 Scheffe und 1970 Schützenkönig. Von 1985 bis zu seinem Tode war er Ehrenscheffe der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft. Sein letztes Schützenfest feierte er im Jahre 2003.

 

Seit 1950 stellte Lebrecht Knipping sein Haus bzw. die Eingangstreppe für den großen Festumzug am Schützenfestsamstag zur Verfügung. Auf der feierlich geschmückten Treppe nimmt das Königspaar seitdem gemeinsam mit dem geschäftsführenden Vorstand und dem Hofstaat die Schützenparade ab.

 

Bis 1982 befand sich das Knipping´sche Haus allerdings an der Lindenstraße 23. Im Rahmen der Stadtsanierung musste es, gemeinsam mit vielen anderen Häusern an der Lindenstraße, für die Pott-Jost-Brücke weichen. Lebrecht Knipping zog zwischen 1982 und 1985 in das Haus Freiheitstraße 32. Das alte Treppengeländer und die Haustür nahm er mit und ließ es an seinem neuen Haus anpassen. Seit 1985 findet nun dort der Vorbeimarsch am Königspaar statt.

Die Nutzung der Treppe vor seinem Haus zugunsten der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft hat Lebrecht Knipping ins Grundbuch seines Hauses eintragen lassen. 

 

2017 wurde das Haus veräußert und befindet sich nun nicht mehr im Besitz der Familie Knipping.

Es steht unter der Denkmalnummer A-15 in der Liste der Baudenkmäler in Altena.

 

In dem Buch "Altena - Beiträge zur Heimat- und Landeskunde" von 1988 beschreibt Ulrich Barth das Haus wie folgt:

... Nahe der Lenne waren die Pfalz (Bals) und der Bungert (Baumgarten, heute Bungern) gelegen und bildeten die gräfliche Stadtwohnung. Später entwickelte sich hier und in nächster Nachbarschaft der gräflichen Stadtwohnung konsequenterweise ein Quartier großbürgerlicher Häuser an der Freiheitsstraße, unter denen das Haus Holtzbrinck, Kirchstraße 20, der Glanzpunkt ist.

Von den großen Bürgerhäusern wurde das Haus Freiheitstraße 30 in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der Umnutzung zu einer Praxis denkmalpflegerisch betreut, ein 2geschossiges Bruchsteintraufenhaus, das durch Maueranker 1735 datiert ist und als Doppelhaus mit Nr. 32 (Anm. d. Autors: Knipping´sches Haus) errichtet wurde. Das Haus ist in seiner Fassadenausbildung und insbesondere in der Gestaltung seines Türgestells dem ehem. Bürgerhaus, der heutigen Städtischen Galerie, Lennestraße 93, sehr vergleichbar. Eine ähnliche Grundform findet sich im 3achsigen Haus Freiheitstraße 15. Beide Häuser bilden den Auftakt zu einer stattlichen ähnlichen Baugruppe, die zumeist in das 18. und die 1. Hälfte des 19. Jh. datiert. Die spätbaroken und frühklassizistischen Satteldachtraufenhäuser (insbesondere die Häuser Freiheitstraße 30, 32, 34, 46, 49 und das Bürgerhaus Freiheitstraße 48 als einziges giebelständiges in dieser Zeile) haben Gärten mit Gartenhäusern und Wintergärten, sind in ihren Fassaden ruhig gegliedert und meist 2geschossig. Die reichen Oberlichttürgestelle mit ihren Freitreppen sind ihre auffälligste Zierform. Die Freitreppengitter und die Haustür des Hauses 32 sind wiederverwendete Bauteile des abgebrochenen Hauses Lindenstraße 23.

Die Häuser entsprechen dem von Wilhelm Rave in den 1930er Jahren charakterisierten Typ des klassischen Hauses als eine auf engstem Raum zu betrachtende Einwicklungsreihe von Bürgerhäusern, die eine Vorstufe für die unwesentlich später einsetzende Entwicklung der märkischen Bürgerhäuser darstellt. Diese klassizistischen, 5achsigen, 2geschossigen Satteldachtraufenhäuser, wie z.B. das Haus Freiheitstraße 46, die unter dem Einfluß der Schinkelschule entstanden, prägen noch heute die Stadtbilder des märkischen Sauerlandes im Bergland südlich der Ruhr von Schwelm bis Arnsberg. (...) Die Frühformen an der Freiheitstraße lassen in ihren Grundrißdispositionen noch den Einfluß der Kaufmanns- und Reidemeisterhäuser erkennen, aus dem landwirtschaftlichen Bauen abgeleitete Querdeelenhäuser. Dies wird als Bauform des märkischen Sauerlandes erklärlisch, wenn man den Reidemeister als Industriellen, Kaufmann oder Handelsmann und Nebenerwerbslandwirt definiert. In die innerstädtische Situation übertragen entwickelt sich aus einem solchen zweckdienlichen Bauwerk das großbürgerliche, in Stein errichtete Haus mit repräsentativen Wohnteil und seitlich im Grundriß angegliedertem Kontor. Die Ladeluken in den Giebelschilden deuten darauf hin, das hier Ware umgeschlagen wurde. (...)

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Bubo / 2013

Foto 2: Stapelzug / 1976