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Schützenlexikon

Lennestein

1. Ortslage in der Freiheit

2. Saalbau / Restaurant Lennestein

 

 

zu 1. Ortslage in der Freiheit

 

Lennestein bezeichnet eine Ortslage in Altena am östlichen Ende der Freiheit. Der Begriff umschreibt ein steiniges Stück Land am Fluß Lenne. Nach diesem Ort hat sich der vierte Zug der Kompanie Freiheit benannt.

Hier befinden sich u.a. die Steinerne Brücke, der Saalbau Lennestein sowie eine denkmalgeschütze Arbeitersiedlung . Am Hang hinter dem Saalbau liegt seit 1966 die Straße "Am Lennestein".

Das Bild zeigt das Werk Lennestein der Firma Basse & Selve um 1910.

Postkarte: Kreisarchiv

 

zu 2.: Saalbau Lennestein

Die Geschichte des Saalbau Lennestein ist eng verwoben mit dem Fabrikanten Gustav Selve:

Gustav Selve wurde 1842 in Lüdenscheid geboren. Ab 1861 arbeitete er im väterlichen Messingwalzwerk Basse & Selve in Werdohl. 1869 wurde der Firmensitz nach Altena in eine bestehende Drahtrolle am Schwarzenstein verlegt. 1872 heiratete Gustav Selve und wurde Teilhaber und Geschäftsführer der Firma. 1874 bezog er mit seiner Familie eine Jugendstil-Villa an der Lüdenscheider Straße in Altena, die aufgrund der aufwendigen Gestaltung von der Altenaer Bevölkerung auch als Villa Alpenburg bezeichnet wurde. Nach dem Rückzug der Familie Basse wurde er 1883 Alleininhaber des Unternehmens. In diesem Jahr wurde "Die Firma" um das Werk Linscheid, eine frühere Königliche Schauermühle, erweitert. 1894 kam als letztes das Werk Hünengraben hinzu.

Mit der Herstellung von Aluminiumguss wurde ein Werkstoff entwickelt, der für Automobil-, Motorboot- und Luftschiffteile verwendet wurde. Durch die Produktion von Neusilber-Blech für Patronenhülsen, Nickel für Münzplättchen und Messing (Legierung aus Kupfer und Zink) für Beschläge aller Art beschäftigte das Unternehmen Basse & Selve allein in Altena bis zu 2400 Mitarbeiter, weltweit bis zu 3500 Mitarbeiter. Etwa jeder fünfte Einwohner arbeitete somit für "Die Firma".

Stadtführerin Ulla Rinke beschrieb Gustav Selve als einen Patriarch: "Aber zu seinen Mitarbeitern wie ein Vater. Sein Motto war "Treue um Treue". Die Zeit, in der er lebte, war geprägt von der industriellen Revolution, extremer Armut des Proletariats und Kinderarbeit, die damals gang und gäbe war."

Sehr ungewohnt zu jener Zeit kümmerte sich Selve im großen Rahmen um die sozialen Belange seiner Mitarbeiter. Er baute Arbeiterwohnungen, Kleinkinder- und Handarbeitsschulen, Konsum- und Badeanstalten und sorgte für die Einrichtung eines Unterstützungsfonds für Hilfsbedürftige. Die Gründung der Altenaer Baugesellschaft (ABG) im Februar 1870 ging wesentlich auf sein Engagement zurück.

1896 verließ er Altena im Streit und leite seine Firmen zunächst von Bad Honnef, später von Bonn aus. Als Selve 1909 dort starb, hatte er die Fabrik zu einem multinationalen Konzern aufgebaut: Er besaß Werke in Altena, Hemer, Lüdenscheid, außerdem Produktionsanlagen im Rheinland, in Sachsen, Ostpreußen, der Schweiz und Italien. Am Ende wurde sein jährliches Einkommen auf 1,6 Millionen Mark geschätzt. (Zum Vergleich: Ein Arbeiter Selves verdiente etwa 1000 Mark im Jahr.) Auf der Liste der reichsten Preußen nahm er damit den 33. Platz ein.

Der Konzern wurde von seinem Sohn Walther von Selve fortgeführt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde aus der Firma eine GmbH und 1921 wurde Basse & Selve in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Es folgte die Inflation mit einem drastischen Rückgang der Münzproduktion. Wenig später schloss sich Basse & Selve mit zwei anderen Unternehmen zur Berg-Heckmann-Selve AG zusammen. 1930 folgte die nächste Fusion, die Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM) waren geboren.

Hauptsitz des Unternehmens wurde Frankfurt am Main. VDM galt als größter Hersteller von Roh-, Halb- und Fertigerzeugnissen aus Nichteisenmetallen und - legierungen. Die Werke in Werdohl und Altena wurden als Zweigniederlassungen geführt, ihre besondere Kompetenz lag in Legierungen mit Anteilen von Kupfer, Nickel und Chrom - also in Edelstählen.

1958 spürte die Firma VDM die Folgen einer Wirtschaftskrise und schloss das Motorenwerk Hünengraben.

1977 wurden die Zweigniederlassungen Altena und Werdohl zum VDM-Geschäftsbereich Kupfer und Nickel zusammengeschlossen. Firmensitz wurde Werdohl. Neben der am Schwarzenstein ansässigen Verwaltung musste auch die Gießerei nach Werdohl umziehen. Am Schwarzenstein blieb lediglich ein sogenanntes Plattierwalzwerk. 1980 wurde das Werk Schwarzenstein endgültig geschlossen. VDM ist seither in Altena nur mit dem Werk Linscheid vertreten.

Daraus gingen die Vereinigten Deutschen Metallwerke (später ThyssenKrupp VDM) hervor.

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte von Gustav Selve finden Sie auf der Homepage des "Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid e.V."

Im Rahmen seiner sozialen Projekte baute Gustav Selve den Saalbau Lennestein

 

1880 wurde das Gebäude als Betriebskantine sowie für gesellschaftliche und kulturelle Zwecke errichtet.

 

 

 

 

 

 

Während des ersten Weltkrieges diente der Saalbau als Lazarett für verletzte Soldaten, die mit dem Zug zur Steinernen Brücke nach Altena gebracht wurden.

1927 fand ein sogenanntes "kleines Schützenfest" im Lennestein statt. Dabei fand ein Preisschießen im Buchholz statt. Auf ein Königsschießen wurde jedoch verzichtet.

Im zweiten Weltkrieg wurden die Räume abermals als Lazarett genutzt.

 

 

Im Jahre 1949 wurden die Gaststätte und der Saalbau von der Witwe Rudolf Gammersbach bewirtschaftet.

Spätestens seit 1950 traf sich der vierte Zug (Lennestein) der Kompanie Freiheit zum Kränzebinden im Haus Lennestein. Im Jahre 1969 ist Karl-Heinz Motschull als Wirt belegt. Neben dem Zug Lennestein traf sich von 1973 bis 1985 auch der Lindenzug regelmäßig im Lennestein. Wirt war in dieser Zeit unter anderem Frank Meister von der Tanzschule Meister.

Mit dem Stadtumbau um 1977 wurden andere Saalbauten wie der Märkische Hof an der Lüdenscheider Straße, sowie der Westfälische Hof am Markaner abgerissen. 1980 wurde das Haus Lennestein mit seinen 1249qm und das Grundstück mit 2500qm an die Altenaer Baugesellschaft verkauft.

Im letzten Saalbau der Innenstadt erfreuten sich die Altenaer an vielen tollen Festen und Ereignissen. Hochzeiten und Kirchfeste, Theaterfreunde, Musikliebhaber, Tanzkurse, Stammtische, Kegelvereine und natürlich die Schützen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft: Sie alle trafen sich in dem Gebäude mit der denkmalgeschützen Fassade.

 

Der neunköpfige Aufsichtsrat der Baugesellschaft beschloss den Weiterverkauf des Hauses, da die laufenden Instandhaltungskosten zu hoch waren und nicht durch Rücklagen aus Verpachtungen gedeckt werden konnten.

Der Verkaufswert des denkmalgeschützten Hauses wurde nach WR-Informationen von einem Gutachter auf 600.000 DM geschätzt. Die Stadt war an einem Verkauf nur interessiert, wenn eine Garantie für die Aufrechterhaltung des Saalbetriebes gegeben werden konnte, da der Neubau einer Stadthalle mit der Bebauung des Marktplatzes (zu der es jedoch nicht kam) aufgegeben wurde.

Die ABG einigte sich mit Karl-Heinz Kiesewalter, einem früheren Pächter (ab 1972 und ab 1980) des Hauses, auf eine Privatisierung des Saalbaus. Der Kaufvertrag wurde im Juni 1992 unterzeichnet. Da ein öffentliches Interesse an der Weiterführung des Saalbaubetriebs bestand, wurde von politischer Seite aus eine finanzielle Unterstützung an den Umbaukosten erwogen. Dem neuen Besitzer soll ein Modernisierungsdarlehen gewährt werden.

Seit dem 13. Juli 1992 arbeiteten die Handwerker im Haus Lennestein. Ein Lavastein-Grill wurde eingebaut. Am 22. August war Richtfest für den Anbau, mit dem die Küche und Spülküche erweitert wurden. Die Wetterseite erhielt neue Fenster. Der große Gesellschaftsraum und das Treppenhaus wurden komplett ronoviert. Zum Teil wurde neue Fußböden verlegt und neue Lampen installiert. Im Restaurant stehen den Gästen 40, im kleinen Gesellschaftszimmer 18 bis 20 und im großen Gesellschaftsraum 100 Plätze zur Verfügung. Der große Saal bietet Platz für rund 300 Personen.

Noch vor der offiziellen Eröffnung am 22. September 1992 fand am 12. September das Kompaniefest der Kompanie Kelleramt im Haus Lennestein statt.

 

 

Karl-Heinz Kiesewalter veräußerte das Objekt 1997 an die Familie Itani. Neuer Pächter wurde die Familie Hegener. Leider ließ die letzte Inhaberin das Gebäude in keinem guten Zustand. Dringend erforderliche Sanierungen wurden nicht durchgeführt. 2012 beendete sie das Mietverhältnis mit dem langjährigen Pächtern. Von 2012 bis 2015 wurde das Haus mit einem neuen Pächter weitergeführt.

Im Frühjahr 2016 kauften die Altenaer Brüder Mehmet und Murat Karakus, die auch in Lüdenscheid einen Festsaal betreiben, das Gebäude und renovierten es umfassend.

Schon im Frühjahr 2017 konnte die Kompanie Rahmede ihr Kompaniefest im Saalbau feiern. Zum Kränzebinden 2018 soll das Haus Lennestein komplett renoviert zur Verfügung stehen.

Am 10.01.2018 berichtete Thomas Bender für das Altenaer Kreisblatt von den Fortschritten am Lennestein:

 

Oben wird schon kräftig gefeiert: Viele Altenaer Firmen haben für ihre Weihnachtsfeier den großen Saal des Lennestein genutzt, Familienfeiern fanden dort bereits statt und demnächst sind die Schützen regelmäßig zu Gast. „Der Saal ist zu etwa 90 Prozent gebucht“, freuen sich Mehmet und Murat Karakus.

Die beiden sind in Altena aufgewachsen. Murat ist Wirtschaftsingenieur, Mehmet hat Industriemechaniker gelernt. Seit 2014 sind sie in der Gastronomie tätig. Damals übernahmen sie die Schützenhalle an der Hohen Steinert in Lüdenscheid. Zwei Jahre später kam der Lennestein hinzu. Dadurch, dass sie demnächst zwei etwa vergleichbare Betriebe hätten, würden Synergieeffekte freigesetzt. Material und Personal ließen sich dadurch effektiver einsetzen, meinen die beiden Gastwirte.

Zunächst mal wird saniert. Den Anfang machte der Saal. Das Parkett wurde abgeschliffen, die nachträglich angebrachte Deckenverkleidung abgerissen und die Bühne auf ihr ursprüngliches Maß zurückgebaut. Wichtiger und aufwendiger sind die vielen, vielen Kleinigkeiten, die man nicht oder erst auf den zweiten Blick sieht. Da wurden auf der Bühne beispielsweise Steckdosen eingelassen, damit der DJ nicht mit Verlängerungsschnüren hantieren muss und im hinteren, für den Gast nicht sichtbaren Bereich wurde eine voll funktionsfähige Küche eingerichtet – auf Dauer sei es kein Zustand, wenn das Essen für so große Gesellschaften aus dem Erdgeschoss in den Saal getragen werden müsse, sagt Mehmet Karakus.



Im Moment ginge das auch gar nicht: Die Küche im Erdgeschoss ist wie alle anderen Räume dort eine riesige Baustelle. „Bald“ antworten die beiden auf die Frage, wann es denn dort losgehen soll mit dem Gastronomiebetrieb. Heute kommt Alex Grass und beginnt mit dem Einbau einer neuen Heizungsanlage, dann geht es ans Verkleiden der Wände. Ein paar Fenster fehlen noch und Türen, die Theke, und, und, und...

Die Brüder Karakus beschäftigen sich lieber mit dem, was schon fertig ist. Die Spülküche zum Beispiel ist bereits gefliest, mit absolut rutschfesten Bodenfliesen – so, wie es die Berufsgenossenschaft am liebsten hat. Auflagen und Vorschriften einzuhalten ist den beiden sehr wichtig. Auch deshalb halten sie engen Kontakt zum Bauamt und vor allem zur Denkmalpflege. Der Ende des 19. Jahrhunderts als Freizeiteinrichtung für die Mitarbeiter der Firma Basse und Selve errichtete Saalbau steht unter Denkmalschutz, alle Veränderungen müssen mit Denkmalpfleger Jürgen Wagner abgesprochen werden. Wobei die beiden Bauherren immer wieder betonen, dass ihnen das auch wichtig ist: „Wir wollen die alten Traditionen dieses Hauses weiterführen.“ Deshalb freuen sie sich zum Beispiel darüber, dass der geschichtsträchtige Lennestein-Stammtisch schon in den Startlöchern steht, um in sein Stammlokal zurückzukehren.

Dort werden die Herren einiges zu Staunen haben. Das fängt schon mit dem Eingang an – der wurde dahin verlegt, wo er einst war: In die Mitte des Hauses, unter einen kleinen Balkon. Weil die Bauherren Altenaer Handwerker bevorzugen, ging der Auftrag an Jochen Harte, der die neue Tür nach historischem Vorbild herstellte – die nötigen Bilder fanden sich im Stadtarchiv. Jede Menge Strahler werden den Eingang und die übrige, bereits neu gestrichene Fassade in Szene setzen. Auch innen werden interessante Lichtakzente gesetzt: Die Farben der LED-Beleuchtung können verändert und somit der Tageszeit und dem Anlass angepasst werden.

Durch die Eingangstür gelangen die Gäste des Lennestein ins Restaurant mit etwa 50 Plätzen – gutbürgerlich soll dort gekocht werden, Köche und Servicepersonal suchen die Brüder noch. Zwei Räume für kleinere Gesellschaften schließen sich an, hinzu kommt der kleine Saal – der einzige Bereich, an dem sich zunächst nicht viel verändern wird. Auch nach der Fertigstellung werde laufend investiert, kündigen die beiden an – auch dann gebe es noch genug zu tun, beispielsweise den Austausch der großen und nicht gedämmten Fenster im Saal. Ihr Ziel sei es auf jeden Fall, den Saalbau zu behalten und ihn so zu betreiben, „dass die Altenaer zufrieden sind“.

Viele Gedanken haben sich die Bauherren über die Technik gemacht: Das gesamte Gebäude ist vernetzt, es gibt sogar einen eigenen Serverraum. Jede Menge Bildschirme sind geplant, selbst auf den Toiletten wird man Filme gucken können, wenn alles fertig ist.

 

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Postkartenmotiv

Foto 2: www.wikipedia.de (Gemeinfrei)

Foto 3: Haus Lennestein

Foto 4-6: Postkartenmotiv