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Schützenlexikon

Nette

Der Stadtteil "Nette" beginnt eigentlich am Silbersiepen (heute steht dort die Feuer- und Rettungswache) und erstreckte sich ursprünglich bis über dem früheren Kindergarten (heute Draheim), Nettestraße 59.

Hier beginnt dann die "Obere Nette", die bis "Pleuger" an der Abzweigung nach Neuenrade reicht.

Durch den Ausbau der Siedlungen wurde aber auch die lokale Zuordnung innerhalb der FWG neu überarbeitet und die westliche Grenze der Kompanie Nette vom Silbersiepen bis zur Kaldewei an der Einmündung Bachstraße / Iserlohner Straße am Markaner verschoben.

 

Das Nettetal gilt als die Wiege des Drahtziehens unter Nutzung der Wasserkraft. Im 14. Jahrhundert wurde hier wohl die erste Drahtrolle errichtet, die mit dem Wasser der Nette betrieben wurde.

Quelle: Gerd Klimpel; www.klimpelsjunge.jimdo.de; 2014

 

 

Obwohl geografisch im Mühlendorf liegend, gehört der Bereich zwischen Silbersiepen (Feuer- und Rettungswache) und Kaldewei (Kreuzung Fritz-Berg-Brücke / Bachstraße / Hinterm Bach) innerhalb der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft auch zum Gebiet der Kompanie Nette.

In einer Sonderausgabe vom 150-jährigen Bestehen des Altenaer Kreisblatt vom 04. Oktober 1984 schreibt der Heimatforscher Paul Rump:

Die Nette liegt im engen Tal des Nettebaches, der am Hang der Hochfläche des Giebels (500m) bei Dahle entspringt und am Fuß der Burg Altena in die Lenne mündet. Sein Wasserreichtum und das starke Gefälle von 200 Metern bei einer Länge von 6 km macht die Herkunft des Namens vom germanischen nat-asa nit-isa in der Bedeutung von "rauschender Fluß" wahrscheinlich. Ein Holländer, der vor 100 Jahren (Anm. d. Autor: Etwa 1894) Altena besuchte, berichtet von den "hier mit Geräusch in die Lenne stürzenden Bächen".

In den ersten urkundlichen Erwähungen der Nette im Jahre 1395 heißt es "up der Nette" und "in der Nette" In späteren Jahren finden sich folgende Bezeichnungenund Schreibweisen: "by der Nitte" (1584), "bey der Nette" (1638), "bei der Nette" (1645), "auf der Nette" (1660), "auf der alten Nette" (1674), "uff der Netten" (1684), "Nete" (1699), "auf der Nette-Bache" (1738), "in der Nette" (1700), "Neht" (1748), "auff dem Nette-Flusse" (1764), "die Nette Becke" (1769), "in der Neten (1789), ""in der Netze" (1798) und "von der Nette" (1869). Heute sagt man "in der Nette", wenn das untere und mittlere Nettetal und "auf der Nette", wenn das obere Nettetal gemeint ist.

1395 wird der Ortsteil erstmals erwähnt

In einer Urkunde   aus dem Jahre 1395 überließ Graf Diedrich von der Mark dem Hermann Krumphoite zu Altena für die sechs nächsten Jahre seine "hutte und huttenstatt up der nette" für eine jährliche Pacht von einer Mark Silbers.

In selben Jahren wurde den Altenaer Bürgern Hinrich Loremann und Heidenich von Spedinghusen "de Zunder vor der Zwartenslanderen in der Nette to Altena" erblich überlassen, damit sie dort eine "Harnaschrollen" errichten können. In einer Urkunde aus dem Jahre 1453 erteilte Graf Gerhard von Cleve-Mark dem Altenaer Bürger Detmar von Attendorn die Erlaubnis "eyn watergefell to drieven... gehieten die Kalkhoep" (im heutigen Gelände der Firma Franz H. Stromberg) (Anm. des Autors 2016: Heute Fa. Frohn / Nettestraße 80). Die Genehmigung des Landesherren war deshalb notwendig, weil die Wassergefälle landesherrliches Regal waren, für das noch bis in die neuere Zeit ein Flußgeld erhoben wurde.

1574 wird der "Stadtteil Nette" erstmalig erwähnt

Im Jahre 1574 ist zum ersten Mal von dem "Stadtteil in der Nette" die Rede, der durch Feuer vernichtet wurde. Aus diesen Urkunden ist nicht zu entnehmen, wann die ersten Drahtrollen im Nettetal angelegt worden sind und wann der Stadtteil Nette entstanden ist. Wie F. Schmidt in verbindung mit anderen Belegen nachgewiesen hat, sind die meisten Altenaer Drahtrollen spätestens in Laufe des 13. oder 14. Jahrhunderts entstanden, als man anfing, die Wasserkraft zu nutzen.

Es ist wahrscheinlich, dass die ersten Wasserwerke im unteren Nettetal nahe der Burg und der ältesten Ansiedlung, dem Stadtteil Freiheit, angelegt worden sind und in der Nähe dieser "Drahtrollen" auch bald Wohnhäuser erbaut wurden. So entstand der Stadtteil Nette, der bei ungefähr 500 Meter Länge und etwa 100 Meter Breite das Gebiet der heutigen oberen Bach- und unteren Nettestraße, der Graben-, Kronen- und Eggestraße und der Klusen- und Bergstraße umfaßte.

Im schmalen Talgrund war der Bau von Häusern begrenzt durch den Hauptlauf des Netter Baches, "Gewaltbach" genannt, und durch die Wehre mit den Ober- und Untergräben der "Dotter Drahtrolle" und der "Mettwurster Drahtrolle. Richtungsweisend für den Bau der Häuser an den steilen Berghängen des "Kettelberges" (Klusenberg) und der "Evendt" waren der "Pfad" vom Stadtteil Freiheit und der Burg in den Talgrund (die heutige Klusenstraße), die "Königsstraße" in Richtung Neuenrade (die heutige Bergstraße), der Weg "am Berge" zur Egge (die heutige Eggestraße), der Fußpfad zum "Totenmann" in Richtung Iserlohn (ein Teil der heutigen Grabenstraße) und die Wege netteabwärts zum Stadtteil "Mollendorpe" (Mühlendorf, die heutige Bachstraße) und netteaufwärts nach Evingsen und Dahle (die heutige Nettestraße). Ganz besonders wird es für den Stadtteil Nette zutreffen, dass man bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts die in einem tiefen Kessel eingeschlossene Stadt nicht gut anders, als über Fußpfade erreichen konnte.

Wie beim Iserlohner Tor wurde auch "bey der Nettepforten" Akzise für die ein- und ausführenden Waren erhoben

Am oberen Ende des Stadtteils Nette, östlich der heutigen Schule, diente ein eisernes Tor als Festungswerk. Es wird in Urkunden der Jahre 1663, 1669 und 1720 erwähnt unter den Bezeichnungen "vor der Pforten", "neben der gemeinen Nettepforte" und "bey der Netterpforten". Noch um das Jahr 1900 hieß es in der Nähe des Hauses Nettestraße 59 "boäne Poäte" (über der Pforte). Weitere Hinweise über die Lage des Tores bietet die Flurgrenze im Stadtplan vom Jahre 1895 (Karte 1) und ein Sperrbaum für Fuhrwerke, den ein Bild aus dem 1871 zeigt, als Wegegeld für die Altena-Westiger-Straße bezahlt werden musste.

Eine andere frühere Befstigungsanlage scheint sich am Ende des von der Burg führenden "Pfads" (der heutigen Klusenstraße) befunden zu haben, wie die Hausbezeichnung "in der Lampfert" (Landwehr) und "ächterm Tuene" (hinterm Zaun) vermuten lassen.

Im Stadtteil Nette gab es im Jahre 1740 etwa 170 Häuser. Auf der Aufnahme vom Jahre 1892 ist die Zahl der Häuser ungefähr die gleiche. Die dichtaneinander gedrängten, weißgekälkten, zum Teil auch "steinfleckigen" Häuser mit den kleinen Fenstern in dicken Bruchsteinwänden, die schmalen, oft nur zwei Meter breiten "Straßen" geben dem Bild das Gepräge.Jahrhundertelang mag die Nette so ausgesehen haben, mit dem Unterschied, dass bis Anfang des 19. Jahrhunderts fast alle Häuser Stroh- und Schindeldächer hatten. Vor den Stadtbränden der Jahre 1518, 1574, 1660 und 1750 wird das Gesamtbild der Nette nicht viel anders gewesen sein. Um Brände zu bekämpfen, gab es im Jahre 1740 in der Nette "eine hölzerne große Brandsprütze", 15 "hölzerne und metallene Brandeimer, zwei öffentliche Brunnen und 57 Brunnen in den Häusern.

In der Mitte der Aufnahme aus dem Jahre 1892 sieht man auf dem überwölbten Nettebach den alten Gasthof "Zum Holländer". Er wurde im Jahre 1901 durch einen Neubau ersetzt. Die engste Straßenstellen der Bach- und Nettestraße sind in den letzten Jahrzehnten beseitigt worden dadurch, dass Häuser abgebrochen und der Nettebach überwölbt wurde. Erleichtert wurde die Straßenverbreiterung durch die Entfernung der Ober- und Untergräben der "Dotter und Mettwurst Drahtrolle", als die Stadt im Jahre 1906 die Wasserrechte dieser Rollen erworben hatte. Durch die verbreiterten Straßen wurden in den Jahren 1918 bis 1926 die Nettetalbahn gebaut, die seit dem Jahre 1883 geplant war (Anm. d. Autors: Siehe im Schützenlexikon auch unter dem Stichwort "Carl").

Die meisten Häuser der Nette werden 200 Jahre und älter sein. Am Hause Klusenstraße 35 sind Maueranker mit den Ziffern Eins und Sieben als Reste einer Jahreszahl aus dem 18. jahrhundert zu sehen. In Kellern und Nebenräumen vieler Häuser befanden sich Glühöfen zum Weichglühen der durch das Ziehen hart gewordenen Drähte und Räucherstellen zum Räuchern der geglühten Drähte, um sie durch eine Art Beizen ziehfähig zu machen. Ein Augenzeuge aus dem vorigen Jahrhundert erzählt vom Drahträuchern, "es ist eine so fürchterliche Arbeit, dass man eine Lunge wie ein Ochse haben muß" - Im Jahre 1832spricht ein Besucher Altenas von den "düsteren kohlschwarzen Männern" in den Drahtrollen. Stahldrähte zur Herstellung von Nadeln wurden auf der Mettwurstrolle noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts geräuchert. Ursprünglich haben seien die Stahldrähte, um sie ziehen zu können, mit Urin gebeizt worden. Von dieser Arbeitsweise wird es herrühren, dass noch um die Jahrhundertwende Kinder den Drahtziehern nachriefen: "Netter Kosacken, mitm Pißpott aufm Nacken". Reste von Glüh- und Räucheranlagen finden sich in einem Haus "am Berge" (Eggestraße 10) und im Keller des Hauses "op de müer" (auf der Mauer, Bergstraße 2).

Vor und neben den meisten Häusern stehen kleine "Schoppen", die früher als Stallungen und Dungstätten gedient haben. Nach einer Zählung aus dem Jahre 1791 gab es im Stadtteil Nette 50-60 Kühe, ungefähr 40 Schafe und für die ärmere Bevölkerung viele "Hitten" (Ziegen). Die Kühe, Schafe und Ziegen wurden täglich zu je einer Herde gesammelt und von den Hirten auf die Weiden getrieben. Altena war in Weidebezirke eingeteilt, die "Huden" (von hüten) genannt wurden. Zur Netter Hude gehörten der Martinskirchhof, der Schrecksberg, der Kohlhagen und Teile der "Dreseler Mark". Sie umfasste 1796 einhundert holländische Morgen. Den ganzen Tag über blieben die Tiere draußen. Gegen Mittag gingen die Mädchen und Frauen aus der Nette zu den Herden, um die Milch zu holen. Ein Weg am "Halsknopf", der zu einer der Netter Huden führte, hieß noch zu Anfang dieses Jahrhunderts "Mälkepod" (Milchpfad).

Die Weiden boten den Tieren des steinigen Boden wegen nur kümmerliche Nahrung. So heißt es im Jahre 1777 von der Nettehude, sie wäre "jetzt so unfruchtbar, dass fast gar kein Eingesessener sein Vieh austreiben lässt." Im Jahre 1792 wurde die Netter Hude unter die Bürger aufgeteilt. Es wurden "Lose angefertigt und zusammengefaltet, darauf in einen zinnernen Napf gelegt, durcheinander gerührt und durch einen blinden Menschen einem jeden Interessenten eingereicht". Die Huden wurden "durch den unermüdlichen Fleiß der hiesigen Einwohner mit fast unglaublicher Mühe meistenteils zu Gartenstücken urbar gemacht. "Die dünne Narbe des Heidekrauts und die Dammerde wird abgeplaggt, bei Seite gelegt, und die unterliegenden Steine... herausgeholt, die wenige daran sitzende Erde oder Lehm wird gleichfalls sorgfältig bei Seite gelegt, als dann werden die Steine zu Terrasse gebraucht und davon Mäuerchen gebildet,... demnächst wird Dünger oder sonst gute Erde in Körben die Berge herangetragen, hiermit die aufbewahrte wenige Lehmerde und Plaggenheide vermischt und daran die Frucht, Kartoffeln oder Korn gezogen". Die vielen kleinen Gartenbeete an den Berghängen zeugen von dieser mühseligen Arbeit. Sie befanden sich sogar auf der "Ebene", 150 Meter über dem Nettetal.

(Anm. des Autors: Es folgt eine Übersicht aus den Jahren 1672 bis 1740 die die Zahl der Einwohner, der Häuser, Haushaltungen, der Schützen, der Drahtzieher und der Drahtrollen mit ihren Einrichtungen für ganz Altena und für die Nette).

Die Übersicht ergibt, dass von den Einwohnern, Häusern, Haushaltungen und Schützen Altenas rund 30% auf den Stadtteil Nette entfielen. Der Anteil der Drahtzieher betrug dagegen 40%. Von den Drahtrollen und ihren Einrichtungen befanden sich 44% bis 58% im Nettetal. Damit stand die Nette und das Nettetal im Altenaer Drahtgewerbe an erster Stelle.

Eine Zählung der Drahtrollen und ihrer Einrichtungen aus dem Jahre 1790 zeigt gegenüber dem jahre 1738 keine wesentliche Änderung. Dagegen wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Gewerbefreiheit eingeführt worden war und Walzdraht den geschmiedeten Draht als Rohstoff verdrängte, das Drahtgewerbe unter viel Not und Schwierigkeiten völlig umgestaltet. Die Bank- und Kleinzögersbänke, auf denen der Draht mittels Zangen ruckweise gezogen worden war, wurden durch Grob-, Mittel- und Feinzüge ersetzt, bei denen der Draht auf umlaufende Ziehscheiben gezogen wird. Als seit Mitte des vorigen Jahrhunderts die Dampfkraft allmählich eingeführt wurde, konnten die kleinen Drahtrollen zu größeren Werken ausgebaut werden. Eine Zählung aus dem Jahre 1907 verdeutlicht diesen Wandel. Von den früheren 29 Drahtrollen des Nettetals waren noch 23 in Betrieb aber nur 14 als reine Wasserwerke, die übrigens als gemischte Betriebe, d.h. neben der Wasserkraft wurde die Dampfkraft benutzt.

Gegen Ende des II. Weltkrieges wurde die letzte mit Wasser getriebene Drahtrolle des Nettetals, die "Pfeffermühle", stillgelegt. Im Jahre 1961 wurde sie nach sorgfältigen Vermessungen abgetragen und mit allen Einrichtungen nach Hagen überführt, wo sie im "Freilichtmuseum technischer Kulturdenkmale" wieder aufgebaut wurde.

Die Abgeschlossenheit des Nettetals und die fast ausschließliche Beschäftigung mit dem Drahtziehen hatte kennzeichnende und nachteilige Folgen. "Die Drahtzieher bildeten eine eigene Kaste, reisten nie weiter, als zu ihrer Werkstatt, der Drahtrolle, kamen selten bis an das andere Ende ihrer langen Stadt, kannten keinen Aufwand noch andere Bedürfnisse und sprachen eine Sprache, die für einen Fremden beinahe unverständlich war."

Namhafte Männer wie Friedrich Thomée (1798-1862) und Wilhelm Hegenscheid (1823-1891) sind trotz dieser ungünstigen Verhältnisse aus der Nette hervorgegangen. Friedrich Thomée, dessen Eltern- und späteres Wohnhaus sich im heutigen Haus Nettestraße 4 befand, errichtete 1837 in Ütterlingsen bei Werdohl die erste "Deutsche Drahtstraße" und schuf so die Grundlagen für die Industrialisierung des deutschen Drahtgewerbes. Wilhelm Hegenscheid, geboren "im Rissel" (heute Bachstraße 106), begründete um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die oberschlesische Drahtindustrie.

In der ältesten Namensliste des Stadtteils Nette, der Schützenliste aus dem Jahre 1672, finden sich noch Namen von vielen heute noch ansässigen Familien wie Bergfeld, Gerdes, Göke, Grotesohn, Hesse, Hoße, Jürgens, Klimcke, Köster, Oventrop, Overbeck, Printz, Rump, Schumacher, Severing, Trappe und Weißpfennig.

Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde in den meisten Altenaer Familien Plattdeutsch gesprochen. Seit dem schwand der Gebrauch dieser Sprache von Jahr zu Jahr. Heute wird sie nur noch von wenigen älteren Leuten beherrscht, von den meisten Jüngeren höchstens noch verstanden. Die jahrhundertealte Fachsprache der Drahtzieher gerät größtenteils in vergessenheit, Flurnamen und alte Namen von Straßen und Häusern gehen unaufhaltsam verloren.

Die heutigen Straßenbezeichnungen und eine straßenweise Numerierung der Häuser wurden um das Jahr 1894 eingeführt. Vorher waren sämtliche Häuser Altenas fortlaufend numeriert. Nach einer Aufstellung vom Jahre 1740 trugen die 170 Häuser des Stadtteils Nette die Nummern 383 bis 552. In diesem Jahr hatten die Häuser der heutigen Eggestraße mit den geradzahligen Hausnummern 6 bis 16 die Nummern 395 bis 401. Die Hausnummern haben sich mehrfach geändert, die Reihenfolge aber blieb im wesentlichen bis heute. Die Namen der Hausbewohner zeigen, dass einige Familien hundert Jahre und länger in ein und denselben Häusern gewohnt haben oder noch wohnen.

zur Numerierung der Häuser gab der Magistrat im Jahre 1844 eine "Instruktion": "Rottmeister haben darauf zu sehen, dass jedes zu seinem Bezirk gehörende Haus mit der richtigen Nummer versehen ist. Wo dagegen gefahlt wird, muss der Hausbesitzer darauf aufmerksam gemacht werden, und wenn er dann die Nummer nicht anbringen läßt, so ist darüber dem Magistrat Anzeige zu machen."

Die Rottmeister standen an der Spitze von Rotten, die "sämtliche Bewohner" von durchschnittlich 12 zusammenliegenden Häusern umfasste. Der Rottbezirk Nette war im Jahre 1844 in 14 Rotten aufgeteilt.

(Anm. des Autors: Es folgte eine Aufzählung der Rottmeister und der zugehörigen Hausnummern. Rottmeister waren Joh. Died. Klincke, Joh. Herm. Rump, Joh. Bernh. Overbeck, Aug. Overbeck, Pet. Wilh. Schriever, Heinr. Ludw. Quincke, Herm. heinr. v. Ohle, Carl Overbeck, Steph. Heinr. Trappe, Step. Heinr. Nüter, Ludw. Opderbeck, Heinr. Wilh. Neufeld und Steph. v. d. Heide.)

Die Rottengesellen konnten zu kriegerischen Zwecken und zu städtischen Hilfsdiensten aufgeboten werden. Dazu gehörte das "Aufeisen" des Nettebaches, das Lösen des Eises, um Überschwemmungen zu verhindern.

Straßen- und Hausbezeichnungen

Während die Nummern der Häuser oft geändert wurden, blieben die vom Volksmunde geprägten Hausnamen wie Flurnamen über Jahrhunderte erhalten. So waren die Flurbezeichnungen "Hegenscheider Marcke" (im Jahre 1437 erwähnt) und "glyck" (im Jahre 1566 erwähnt) und die Hausbezeichnung "auf der Trappen" und "in der Landwehr", die um das Jahr 1690 erwähnt werden, vor 50 Jahren noch allgemein geläufig.

Die folgende Übersicht der früheren, meist plattdeutschen Flur-, Straßen- und Hausbezeichnungen des unteren und mittleren Nettetals in Verbindung mit den heutigen Straßennamen und Hausnummern ist mündlichen Berichten "Alter Netteraner" wie Wilhelm Meese (1863-1950) und besonders Otto Knipp (geb. 1884) zu verdanken.

Mit der Erbauung der Burg scheint die Ortschaft im Nettetal als Zugang zum alten Weg über Balve nach Arnsberg und zum Kirchweg nach Iserlohn, nicht zuletzt als die der Burg am nächsten gelegene Wasserstelle befestigt worden zu sein, worauf die Flurbezeichnungen "Lampfert" (Landwehr) und "Hinterm Zaun" (Palisadenwerk) am unteren Ende des "Pfades" von der Burg "Klusenstraße" schließen lassen.

(Anm. des Autors: Eine ausführliche Auflistung der alten Flurnamen und Drahtrollen finden Sie auf www.klimpelsjunge.jimdo.de )

 

Netter Schule

Von einer Netter Schule liegt eine Nachricht aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) vor, als "sich einer Namens Forche in der Nette als Schullehrer gesetzt" hat. Vor dieser Zeit "wurde den Bürgern der Nette erlaubt, eine Frau zu haben, welchen den kleinen Kindern in der Buchstabenkenntnis und Buchstabieren unterrichtete". Die "olle Schaule" befand sich im heutigen Hause Nettestraße 17. Im Jahre 1847 wurde eine neue Schule an der heutigen Stelle erbaut. Dort errichtete Lehrer Richard Schirrmann im Jahre 1907 mit Unterstützung des Hausmeisterehepaares Becker eine Ferienherberge ein, die Vorgängerin der ersten Jugendherberge, die 1912 auf Burg Altena entstand. An der in den Jahren 1956 bis 1960 neu erbauten Netter Schule erinnert eine Inschrift an diese erste Herberge.

 

Die Burg nachbarte zur Nette

Für eine Ausdehnung Altenas genügte das enge Nettetal nicht. Vor allem werden schon bald für die Burgmannen Häuser im geräumigeren Lennetal erbaut worden sein, wie die Hausbezeichnungen "Susenburg und Mückenburg" am Hang des Schloßberges zur Lenne hin vermuten lassen. Rund 200 Jahre nach der Erbauung der Burg war die Siedlung im Lennetal längst die größere und bedeutendere. Im Jahre 1367 bildete sie den Schwerpunkt der Freiheit Altena und erhielt als Stadtteil diesen Namen.

Wie das Wissen um die Entstehung der Burg zur Zeit Levold von Northofs schon nicht mehr bekannt war, so wird erst recht die Erinnerung an den Ursprungs Altenas zur Zeit der Verleihung der Freiheit längst verloschen gewesen sein. Um so bedeutender scheint, dass bis vor nicht allzulanger Zeit eine tiefverwurzelnde  Verbindung zwischen den Bewohnern der Burg und denen des Nettetals erhalten blieb: Die Burg "nachbarte zur Nette hin". Die uralte Form der "Nachbarschaft", der gegenseitigen Nothilfe, mag ein letztes Band der Erinnerung gewesen sein zwischen der Burg Altena und dem "alten Bach", der ihr den Namen gegeben hat.

Zum Schluß gilt, was von Steinen im Jahre 1755 in seinem Bericht über die Geschichte Altenas sagt: "Zwar möchte ich mir selbsten, vom vorhergehenden eine gantz gewisse Nachricht wünschen, allein die Beschaffenheit der damahligen Zeiten, läst uns solche nicht hoffen; dahero man sich gedulden muß."

 

 

Quelle: Paul Rump in der Altenaer Zeitung / 1984

 

Zwei Häuser aus der Nette sollen hier noch besondere Beachtung finden:

 

1. Das Gasthaus Pilling

Zum Gasthaus Pilling besteht ein eigener Eintrag im Schützenlexikon

 

2. Das Apollo-Kino

In der Chronik der Stadt Altena aus dem Jahr 2005 von Ulrich Biroth findet man folgende Information über das Apollo-Kino in der Nette: Als 100. Baudenkmal wurde das Apollo-Theater in der Nette am 03. Mai 2005 durch die Überreichung der Plakette unter Denkmalschutz gestellt. Das Haus, das schon im 19. Jahrhundert durch einen Silberschmidt genutzt wurdeund seit 1924 im Besitz der Familie Güldner ist, die hier ihr Kino betreibt, ist in Altena durch seine exponierte Lage bekannt. Nachdem die Nettestraße erweitert wurde, fließt der Verkehr links und rechts am sogenannten "Holländer" vorbei, wobei das Gebäude regelmäßig Bekanntschaft mit vorbeifahrenden Lastwagen macht, da die Straße an dieser Stelle sehr eng ist.

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Bild 1: Gerd Klimpel www.klimpelsjunge.jimdo.de / 2012

Bild 2: Unbekannter Fotograf