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Schützenlexikon

Pragpaul

Pragpaul ist eine Ebene zwischen Wixberg und Lenneufer im Nordwesten von Altena. Innerhalb der FWG gehört der Pragpaul zum zweiten Zug der Kompanie Kelleramt.

 

 

Von der Ebene steigt eine Siedlung an der Südwestseite des Wixberges hinauf, die ebenfalls Pragpaul heißt. Sie hat 5 Straßen: Hermann-Voß-Straße, Am Pragpaul, Harkortstraße, Liebigstraße und Humboldtstraße.

Gebaut wurde die Siedlung zwischen 1961 und 1965 praktisch aus dem Nichts. Es entstanden 43 Häuser mit 258 Wohnungen. Bauherr war die Altenaer gemeinnützige Baugesellschaft und eine Handvoll Privatleute.

 

Namenskunde

Pragpaul setzt sich aus den beiden Worteilen „Prag“ und „Paul“ zusammen. Zur Deutung des Namens muss man wissen, dass diese Ebene an der Lenne 1595 noch Prachtpoll genannt wurde, 1768 Brach Paul.

 

Pracht

Pracht geht wahrscheinlich auf das Toponym Bracht zurück.

 

Zieht man Wikipedia als Quelle heran, so erfährt man, dass das Wort Bracht häufig in Siedlungs- und Flurnamen vorkommt. Die Siedlungsnamen sind im westlichen Sauerland und im Bergischen Land häufiger vertreten, kommen aber im Westen bis nach Flandern vor. Die wesentlich häufigeren Flurnamen reichen deutlich über dieses Verbreitungskerngebiet hinaus.

 

Bracht ist spätestens seit dem 9. Jahrhundert zur Benennung von Siedlungen verwendet worden. Beispiele sind Velbert (875: Feldbrahti), Gummersbach (1109: Gummeresbracht) oder Plettenberg (um 1070: Plettonbrath, 1187: de Plettenbraht). Die genaue Herkunft und Bedeutung des Wortes ist jedoch unklar. Es geht wahrscheinlich auf ein germanisches Wort brahti- oder brahtjō zurück, dessen Bedeutung nicht gesichert erklärt werden kann.

 

Das althochdeutsche/altsächsische braht (maskulinum; Lärm, Geschrei), neuhochdeutsch Pracht (Lärm, Geschrei, Prunk) wird Allgemein nicht als Grundlage für die Benennung angenommen. Andere Erklärungsversuche sind Gestrüpp, Dickicht (zu Brake), Brache, ruhender Acker oder eine Entlehnung aus den lateinischen fracta (Bruchstück), das eine Nebenbedeutung Berg haben soll.

 

Paul

„Paul“ ist lateinischen Ursprungs und heißt "klein" oder „gering“. Im Niederdeutschen steht es auch für Sumpf oder eine Geländevertiefung, in der sich Wasser gesammelt hat.

 

Pragpaul

Pragpaul könnte also „Geringer Lärm“ oder „kleines Gebüsch“ bedeuten, auch „Sumpfgebüsch“ ist für die Ebene am Ufer der unberechenbaren Lenne nicht abwegig.

 

Zur weiteren Vertiefung noch eine These:

Viele Flurnamen von gegenüberliegenden oder benachbarten Topographien stehen in einem Zusammenhang. Gegenüber dem Pragpaul befindet sich das Bachtal „Brachtenbecke“. Auf die Ähnlichkeit der Wortteile „Bracht“ und „Pracht“ ist hier sicher nicht weiter einzugehen.

Übrigens: „Becke“ ist eine mittelniederdeutsche Bezeichnung für „Bach“.

 

Folgt man also der oben genannten These, könnte die Brachtenbecke u.a. ein lärmender Bach gewesen sein oder ein Bachlauf mit viel Gestrüpp und Dickicht: Sicherlich verursacht auch der Bachlauf einige Geräusche, doch können die in Nähe der unberechenbaren Lenne wohl kaum als Lärm gelten.

Hier stünde der Wortteil "Prag / Pracht / Bracht" also nachvollziehbar für Gestrüpp und Dickicht.

 

Demnach wäre der gegenüberliegende Pragpaul im Überschwemmungsgebiet der Lenne ein Ort mit kleinem Gebüsch bzw. Sumpfgebüsch.

 

 

 

Durch die Jahrhunderte


1595

Die Schützen ziehen am Tag vor dem Schützenfest zum Prachtpoll um dort für die Zehrung zu fischen.

 

1768

In diesem Jahr entstand die entstand die erste überlieferte Straßenkarte, angefertigt aus der Vogelperspektive. Auf ihr ist die Bauernschaft am Pragpaul mit vier Gebäude erkennbar. Die Zuwegung nach Altena führt über den Kleff bzw. das Mühlendorf um den ganzen Hünengraben herum.

 

1860

Die Ruhr-Sieg-Strecke - und damit auch die Eisenbahnbrücke zwischen Tiergarten und Pragpaul - wird in Betrieb genommen.


1894

erwirbt Gustav Selve die königliche Schauermühle am Hünengraben von Joh. Kasper Rumpe.

 

1900

entsteht eine Fotografie der Bauerschaft am Pragpaul.

Darauf ist auch erkennbar, dass die Bauersleute mit einem Kahn über die Lenne setzen um den Weg nach Altena über die Hagener Straße erheblich abzukürzen.

 

 

1922

Der VfB beginnt mit dem Bau eines Fußballplatzes am Pragpaul und pachtet dazu ein 6.641qm großes Ackerland von Baron von Carlowitz.

 

1923

gibt der VfB seinen 1903 eingeweihten Sportplatz im Linscheid (heute VDM) auf und baut einen neuen Sportplatz mit Aschebelag. In dieser Zeit muss auch die zweite Pragpaul-Brücke für Fußgänger und Fahrzeuge entstanden sein.

 

1925

erwirbt die Stadt Altena das Grundstück mit der Sportanlage.

 

 

 

 

1929 / 1930

Der Ruhrverband erwirbt ein Grundstück bei der Bauernschaft am Pragpaul zum Bau einer Kläranlage, die 1933 mit zwei Klärteichen in Betrieb ging. 1934 wurde die Knerling-Siedlung angeschlossen

 

 

 

 

1961

Der Ortsteil Pragpaul wächst in den Jahren 1961 bis 1965 praktisch aus dem Nichts: 43 Häuser entstehen dort mit 258 Wohnungen.

 


1962

Die Siedlung Pragpaul wird an die Klärteiche angeschlossen.

 

1971

Die Sauerlandhalle wird ihrem Zweck als Sporthalle übergeben.

 


1974

Der Selvebogen an der Bundesstraße nach Nachrodt wird abgebrochen.

 

1977

Das Erwin-Reinecke-Stadion wird gebaut und erhält einen der ersten Kunstrasenbeläge. Das Eröffnungsspiel findet Anfang Dezember gegen den damaligen Bundesligisten Fortuna Düsseldorf (2:9) statt.

 


Durch die Einweihung der Linscheidbrücke erhielt der Stadtteil eine neue Anbindung an die Innenstadt.

 

1984

Die Kläranlage am Pragpaul und das Schulstadion (sog. Ascheplatz) werden in Betrieb genommen.

 

 

 

 

Mit dem Ausbau der Siedlung und des Sportstadions sowie der wachsenden Motorisierung wird die Brücke für Fußgänger und Fahrzeuge den Anforderungen, die man sie stellt, nicht mehr gerecht. Sie wird durch eine moderne, großzügig gestaltete Brücke ersetzt.

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Fotos 1-12: Unbekannte Fotografen