Noch 190 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Rahmede

Der Stadtteil "Rahmede" gliedert sich auf Altenaer Gebiet in die Städtisch Rahmede mit dem Breitenhagen, die Mühlenrahmede, Altroggenrahmede und Grünewiese.

Quelle: Gerd Klimpel; www.klimpelsjunge.jimdo.de; 2014

 

 

Die Kompanie Rahmede

1903 entwickelte sich bei den Schützen im Stadtteil Freiheit ein eigener Zug Rahmede. Aus diesem Zug entwickelte sich 1950 die Kompanie Rahmede.

 

 

 

Im Sommer 2016 berichete Johannes Bonnekoh im Altenaer Kreisblatt in einer Artikelserie über das Leben in der Rahmede in den 1950-1970iger Jahren:

 

11.07.2016: Frische Milch oder ein Struwweliger

Damals bei Tante Emma: Auf dem Breitenhagen gab es einmal viele Geschäfte und Gasthöfe

Als der 83-jährige Hans Reuber noch ein kleiner Junge war, kannte er am Breitenhagen nur ein Ziel:“Wir haben Tag für Tag, so oft wir konnten, an der Quelle am Ziegenberg gespielt. „Das war für uns Kinder einfach das Größte!“ Der Ziegenberg ist aus dem Sprachgebrauch verschwunden, einzig die Autobushaltestelle erinnert noch namentlich an diese Flurbezeichnung.

Der Breitenhagen war einmal – ganz besonders zu Beginn der 1950er Jahre - “der wohl aufblühendste Stadtteil von Altena“, sagt der ehemalige Frisörmeister. Er selbst betrieb mehr als 30 Jahre einen Damen- und Herrensalon zunächst an der Schubertstraße 66, später dann am Amselweg 3. Der Breitenhagen zählte aufgrund der zahlreichen Ost-Vertriebenen „wohl zeitweise 6000 und mehr Bewohner.“ Aus Reubers erstem Salon an der Schubertstraße ist heute eine schicke Wohnung geworden.

Und während Reuber in alten Fotos blättert, ergänzt Ursula Schwarz, die mit ihrer Schwester Erika Zensen auch am Tisch sitzt, die Zeitreise in die Vergangenheit. Kaum eine als die Altenaerin selbst könnte das besser. Denn vom 23. September 1971 bis zum 28. Februar 2006 – mithin mehr als 34 Jahre – stand sie als Wirtin im Lokal Bergfelder Hang auf dem Breitenhagen hinter dem Tresen. „Der Bergfelder Hang, das war nur einer von zwei Gasthöfen“, erzählt die langjährige Wirtin. Mitbewerber um die Gäste war damals das Haus Brinkmanns Eck. Es befand sich in der Schubertstraße 66. Heute ist es zur Wohnung umgebaut. Diese Informationen und eine Liste mit 15 Geschäften, Gaststätten und Läden, hat Olaf Diembeck recherchiert. Der Altenaer Tanzlehrer hat Zeit seines Lebens eine besondere Beziehung zum Breitenhagen. „Geholfen dabei hat mir dabei ein Adressbuch aus den frühen 1980er Jahren. Das war eine Fundgrube“, sagt Diembeck.

Das Haus Brinkmann führte zunächst den Namen „Gaststätte Wissing“ wie Hans Reuber mit Hilfe des Archivs der Stadt herausfand. Bereits 1903 gab es auf dem Bergfeld eine Wirtschaft, wie man in Altena sagte. Paul Münninghoff übernahm sie 1956. 1949 war er zum Bergfeld gekommen, arbeitete hier als Verwalter. 1956 heiratete er schließlich Hildegard Wissing und führte mit ihr das Ausflugslokal für Wanderer. Es konnte bis zu 200 Gäste beherbergen. Die Attraktion des Lokals, daran kann sich Hans Reuber noch gut erinnern, „war ein Kinderkarussell und eine Schaukel.“ Der Name Brinkmann taucht anno 1963 auf, als ein Friedrich Brinkmann die Konzession für eine Schankwirtschaft in seinem Neubau an der Schubertstraße 66 beantragte und per städtischer Erlaubnis am 21.01.1964 auch erhielt. Brinkmann hatte zuvor schon eine Kantine bei der Firma Graetz betrieben, war er doch von Hause aus gelernter Konditormeister. Wie Reuber nach einem Besuch des Stadtarchivs herausfand, musste das Kinderkarussell aus Sicherheitsgründen 1970 von der Feuerwehr abgebaut werden. Der Gasthof selbst verschwand so etwa „Ende der 1980er Jahre.“

 

Ein 0,2 l Iserlohner kostete damals 65 Pfennig

 

Als Ursula Schwarz noch als Wirtin im Bergfelder Hang am Bergfelder Weg 26a Getränke ausschenkte, kostete das „kühle Blonde“ Glas Iserlohner Pils 0,2 l frisch gezapft 65 Pfennig. Als sie den Hahn hochdrehte, musste der Gast für das 0,2-l-Glas-Iserlohner 1,10 Euro bezahlen. Unter Licht betrachtet in vierunddreißigeinhalb Jahren absolut vertretbar.

Schwarz lebte aber nicht nur vom Getränkeverkauf oder dem Ausrichten von Festen und Veranstaltungen. Die umtriebige Frau betrieb auch eine „Frittenhalle“. „Ihre Pommes Frites, aber besonders die selbst gemachten Frikadellen, waren legendär“, erinnert sich Edeltraud Reuber. „Ich habe nie etwas Besseres gegessen“, lacht die Frau und Ulla Schwarz hört es irgendwie noch heute gern. Die Handballer und Turner des TV Städtisch Rahmede gingen bei ihr im Bergfelder Hang ein und aus. Und so mancher „Struwweliger“ - ein Zusammengekippter aus klarem Schnaps und Kräuterlikör – sorgte bei übermäßigen Genuss schon für eine gewisse Struwweligkeit...

 

Wenn Edeltraut und Hans Reuber, aber auch Ursula Schwarz und ihre Schwester Erika Zensen sowie Stadtführerin Ursula Rinke einmal zusammen sitzen, schweifen die Gedanken zurück: Etwa an das Bullenkloster auf dem Breitenhagen. „Das war ein Polizeiinternat, später haben da Junggesellen gewohnt, die bei Graetz tätig waren.“

„Der Breitenhagen war einmal irgendwie autonom“, erzählt Ulla Rinke. Sie erinnert neben dem Friseursalon Hans Reuber noch an einen weiteren Salon, den von Frau Zollke am Bergfelder Weg 14, wo später die Volksbank eine Filiale unterhielt und heute eine Wohnung ist. Es gab zu dem eine Sparkasse an der Wilhelmstraße 62a, eine Metzgerei dort, eine eigene Poststelle (Wilhelmstraße 67, heute Treffpunkt), Lebensmittelläden und sogar ein Schuhgeschäft. „Schuhe kauft man bei Schuh Rudolf Becker“ - die Runde lacht in der Erinnerung an diesen Werbeslogan. Das Geschäft befand sich an der Schubertstraße 6. Doch die Bewohner des Breitenhagen sammelten auch Tag für Tag Bons für das Konsum. Denn – bekanntlich gab es dafür einen gewissen Prozentsatz, einen kleinen Bonus, beim Einkaufen. Der Konsum befand sich am Bergfelder Weg 26a, dort, wo später die Gaststätte Bergfelder Hang angesiedelt war. Selbst ein Arzt und zwei Zahnärzte, so glaubt die Runde sich zu erinnern, sorgten für eine Rund-um-Versorgung am Breitenhagen. Ulla Rinke ergänzt noch: „Es gab sogar noch ein Schreibwarengeschäft und eine kleine Leihbücherei.“

 

Den Konsum am Bergfelder Weg 26a kannte jeder

 

Am Amselweg 3 konnten die Breitenhagener noch bei einem zweiten Metzger einkaufen, in diesem Haus befand sich auch eine Drogerie, später der zweite Geschäftsstandort von Friseur Hans Reuber und die Fahrschule Hücking sowie ein Kiosk. Olaf Diembeck erinnert noch an Lebensmittel Pieper an der Mozartstraße 10, heute Wohnung und Sanitärtechnik Buhr. Die Klempnerei hatte ihren Firmensitz an der Schubertstraße 17. Zu Wohnraum umgewandelt wurden inszwischen die ehemaligen Geschäftsstandorte an der Schubertstraße 14. Dort, so sagt Olaf Diembeck, waren Lebensmittel Hoberg und Helma Fuchs angesiedelt.

Als die Runde auf den „Bürgermeister vom Breitenhagen“ zu sprechen kommt, kehrt Heiterkeit ein. Gemeint ist Pfarrer Wilhelm Heetmann, der Kreistagsmitglied der SPD war „und viel für den Stadtteil getan hat.“ 1962 wurde eine kleine Kirche im Ortsteil gebaut – später wieder abgerissen. Der Geistliche sei – und das meint die Runde ehrlich und mit Respekt – auch so eine Art Original gewesen. Einmal, als er wegen seines übermäßigen Tabakgenusses öffentlich gescholten worden sei, habe er es seinen Kritikern in der Sonntagspredigt von der Kanzel aus zurückgegeben, erinnern sich die Poalbürger.

Und heute? - Der Breitenhagen hat sich bevölkerungstechnisch fast halbiert – nicht jeder kennt mehr jeden. Doch geblieben ist die „Faszination eines ruhigen Stadtteils, von dem ich nicht weg möchte“, sagt Reuber. Er verweist auf die gute Nahverkehrsanbindungen durch MVG und den Bürgerbus. Selbst ohne Auto „ist das hier kein Thema wegzukommen.“

Dass es nur einen Kindergarten statt wie früher zwei Einrichtungen gibt, bedauern alle. Der Sportplatz aber sei jetzt so ein bisschen die Lebensader. Das begrüßen alle. „Der TV Städtisch Rahmede bewegt eine Menge. Mit der Turnhalle, dem Platz und dem ganzen Treiben. Das tut gut. Da ist immer etwas los.“

„Hier singen die Vögel am Morgen, hier wohnen wir gerne“, sagt die Runde und bringt noch einmal ein Geschäft ins Spiel, an das man sich ganz plötzlich erinnert: „“Siegfried Mattka hat mal einen kleinen Milchladen betrieben. Da gab es noch dies und das. Aber das war schon schön. Geführt hat ihn damals wohl seine Frau überwiegend“. Dort, wo das Geschäft war, nämlich an der Breslauer Straße 2, hat heute die Altenaer Baugesellschaft, ABG, ihr Büro am Breitenhagen. Übrigens einen Steinwurf weit von einem überwucherten Hügel, „auf dem und an dem ich gerne spazieren gehe“, sagt Hans Reuber. „Der Hügel ist auch etwas Besonderes. Für uns kinder war er das, als wir klein waren., denn er ist mit Schlacke vom Schwarzenstein aufgeschüttet worden. Auf dieser Aschenkippe wurden Nickel-Reste gelagert. Wir konnten darauf herrlich toben und bis ins Tal herrunterrutschen. Dass das nicht ganz gesund war, na ja, das hat uns nichts getan. Heute, heute wäre das wohl anders“, sagt Hans Reuber. „Aber wir waren wohl nicht so empfindlich. Am Ziegenberg haben wir schließlich auch in der Gosse gespielt, wo die Quelle des Ziegenbaches unermüdlich Wasser geliefert hat.“ Fit und gesund gehalten habe alle wohl auch die Milch von Mattka, kühl und direkt vom Hof, „da waren Vitamine drin!“

 

 

21.07.2016: Eigener Bierhandel und Milchwagen

Ursula Rinke ergänzt Breitenhagen-Geschäfte

Es ist selten, das Redakteure einmal Lob erhalten. Dennoch kommt es vor, "Habe heute beim Frühstück mit großem Interesse Ihren Artikel über den Breitenhagen gelesen. Er gefiel mir sehr gut", textete Ursula Rinke, Stadtführerin und langjährige Chefin der Kulturabteilung im Rathaus, in einer Email an unsere Zeitung. Bezug nahm sie dabei auf unseren Artikel vom 11. Juli über den Breitenhagen.

 

"Mich erreichte ein Anruf  von Frau Schulz, eine ehemalige Kollegin aus dem Rathaus. Sie saß früher einmal im Vorzimmer des Stadtdirektors und Bürgermeisters und war langjährige Anwohnerin am Breitenhagen." Sie ergänzt den AK-Artikel über den Breitenhagen wie folgt: "An ein Milchgeschäft Mattka kann sie sich nicht erinnern, wohl aber, dass Mattka einen kleinen Bierhandel gehabt haben muss."

Die Inhaberin des Milchgeschäftes in der Breslauer Straße 2 habe Holderberg geheißen. Ulla Rinke: "Daran kann ich mich auch persönlich erinnern." Später habe ihre Tochter, Frau Kirschbaum, das Geschäft noch weitergeführt. Sie hatte auch einen Milchwagen, mit dem die Milch ausgeliefert wurde. Ebenso lieferte Rudolf Zis mit seinem Milchwagen aus und hatte nach dem Krieg oft noch für die Kinder etwas Magermilch extra. Ferner war in der Wilhelmstraße ein Lebensmittelgeschäft Karl Beyhl, später Frau Debus angesiedelt."

 

18.07.2016: Ein echter Fünfziger im Briefkasten

AK-Sommerserie: "Damals bei Tante Emma" - Uwe Scholz zur "Unteren Rahmede und Drescheider Berg"

Mutter Ursula Scholz führte in der Rahmedestraße 58 ein Blumengeschäft. Der Vater betrieb am Gehegden eine Gärtnerei und die Großeltern Hermann und Klara Scholz verkauften leckere Torten in der Familien-Konditorei an der Rahmedestraße 70a - "ohne Cafebetrieb" sagt Uwe Scholz. Der heutige CDU-Fraktionschef im Rat wuchs also zwischen Geschäftsaktivitäten auf und kennt die Rahmede - zumindest ab ehemalige Sparkasse in der Kurve bis zur Südstraße in Höhe Abzweig "Drescheider Berg, "wie meine Westentasche."

 

"Da bin ich aufgewachsen, da habe ich viel, ganz viel erlebt und erinnere mich gern", sagt der 60-Jährige. Zehn Tage nach seiner Geburt in Mühlheim an der Ruhr zog die Familie Scholz nach Altena. "Mit Lennewasser bin ich also nicht getauft, aber ich verstehe mich schon durch und durch als Altenaer", sagt der Familienvater.

Es ist unglaublich, an welche Vielfalt von Gewerbetreibenden, Läden, kleinen Handwerkern oder "Krautern" sich Uwe Scholz zumindest am Anfang der Rahmede und eben Teilen des Drescheider Berges erinnern kann. Das belegt, das schon dieser verhältnismäßig kleine Teil der Rahmede, ganz, ganz vorn im Stadtteil, verfügte Jahre, nein Jahrzehnte, über ein blühendes Geschäftsleben. Aber der Reihe nach.

Wenn Uwe Scholz erzählt, geht man unweigerlich mit ihm auf eine Reise in die Vergangenheit. So farbig, so humorvoll, so von Sachkenntnis aber auch Liebe zur Heimat, sind seine Erinnerungen gefärbt. Erst die Geschichten - persönliche oder vom Hörensagen - sie haben es in sich.

Wie die Sache mit der Briefmarke. "Am Drescheider Berg gab es eine Poststelle. Mutter hat mich mit einem 50 Mark-Schein als vielleicht Sechsjährigen dort hin geschickt. Ich sollte eine Marke kaufen, aufkleben und dann in den Briefkasten werfen. irgendwie habe ich da wohl was durcheinander gebracht", grinst Scholz und man kann sich denken, was passiert ist. "Ich habe den Fünfziger statt des Briefes in den gelben Postkasten geworfen..." 50 Mark, Anfang der 1960er Jahre, Geld, viel Geld. Mutter Ursula Scholz hat einen Riesenaufstand gemacht und den Sohn "gezwungen" wie er heute lachend sagt, auf den Postboten zu warten, der den Kasten leerte. Stundenlang habe er am und vor dem Briefkasten ausgeharrt, bis der Mann in der blauen Uniform kam. Den habe er überzeugen müssen, doch den falsch eingeworfenen Fünfziger konnte er dann stolz seiner Mama wieder zurückbringen.

Scholz` Erinnerungen beruhen im wesentlichen auf einer Zeitspanne, als kaum eine Frau arbeiten ging. "Viele waren Hausfrau, Mutter, kümmerten sich um Heim und Herd", erzählt er. Und gingen trotzdem auf dem Markt einkaufen. Doch in der Rahmede gab es viele, ganz , ganz viele kleine Läden. Sowohl Milchgeschäfte als auch Lebensmittel- oder Kolonialwarenläden.

Scholz erinnert sich an ein Geschäft, vor dem heute ein amerikanischer Hummer steht. Dort verkaufte Geschäftsmann Stuckenholz Fahrräder, Dichtungen und auch Wasserhähne und Kinderroller. "Aber der Mann war wirklich unfreundlich", hat sich dieser Charakterzug tief ins Gedächtnis von Scholz eingebrannt. Er sein ein Kriegsveteran gewesen, aber sein Geschäft sei ein El Dorado für jeden Jungen gewesen. "Nur getraut haben wir uns nicht so recht, weil er eben so brummig war, bei ihm einfach nur mal zu schnuppern."

Richtung Imra hatte Friseurmeister Zolke seinen Laden. "Da musste man ein paar Treppen nach unten gehen und konnte sich dann frisieren lassen". Daneben gab es lange Jahre eine Pommesbude und den Metzger Weiland sowie ein Geschäft für Milch und Lebensmittel. " Wer hier einkaufen wollte, musste ebenfalls ein paar Treppen nach unten überwinden, sagt Uwe Scholz.

Bei Onkel Friedhelm Diehl, dem Schuster der Rahmede, sei er als Kind gerne mal eingekehrt. "Mutter hatte einen Blumenladen. Da war es immer kalt, schon wegen der Haltbarkeit der Blumen. Bei Onkel Friedhelm aber blubberte immer ein Ofen und die ganze Werkstatt roch immer so angenehm nach Leder." Onkel Friedhelm war für den kleinen Uwe auch so etwas wie eine Institution. "Immer, wenn ein Milchzahn locker war, bin ich zu ihm gegangen. Er hat mich dann auf den Schoß genommen, mir etwas erzählt, ein Taschentuch genommen und schwupp, war der Zahn raus..." Selbst hätte Familie Diehl keine eigenen Kinder gehabt, "aber ich glaube irgendwie haben wir das als Kinder auch gespürt, er mochte Kinder." Erlaubt hat er auch, dass hochstehende Bretter in seiner "Schusterbude" von Scholz und anderen zu Nagelbrettern umfunktioniert wurden. "Immer, wenn wir da drin waren, hat er uns seine kleinen Schusternägel gegeben und wir haben sie in das Holz getrieben. Das war ein Mordsspaß."

"Onkel Paul schnitze uns Schwerter"

Nicht weit weg betrieb Paul Hecker eine kleine Tischlerei. Hier wurden Tischler- und Schreinerarbeiten aller Art erledigt und sogar Särge geschreinert. "Wir nannten Hecker ´Onkel Paul`", erinnert sich Scholz. Und auch der hatte ein Herz für Steppkes. "Er hat uns manchmal ein Gewehr aus Holz oder auch ein Schwert aus einer Platte geschnitten. Ganz, wie wir es brauchten oder gerade drauf waren."

Die Schwester des Tischlers, Gisela Hecker, betrieb wenige Häuser weiter die Rahmede hinauf ein Lotto-, Toto- und Zeitschriftengeschäft. "Mehr so eine Art Kiosk" sei das gewesen, sagt Scholz. Und dann kam schon Rudi Eick. der firmierte als "Anstreicherbedarf und Teppichbodenverkauf" - heute steht an dieser Stelle etwa in Höhe der Hausnummer 80 bis 90 an der Rahmedestraße ein Kiosk.

TT-Markt Wilhelm Bartels verkaufte nur weniger Meter weiter aufwärts ebenfalls Bodenbeläge und Tapeten. "Hinter dem Haus standen Säurefässer, weil er die an die Industrie lieferte. Muss man sich mal vorstellen: Fässer mit giftigen Substanzen, nur wenige Meter weit weg von einem Bachlauf und einfach mit Stroh gesichert. Das wäre heute undenkbar." Dieses Geschäft war dort zu finden, wo heute die Debeka eine Geschäftsstelle unterhält.

Metzger Radtke und Namen wie Wiebusch fallen, wenn Scholz über weitere Geschäfte nachdenkt und natürlich an den ehemaligen Konsum erinnert. Das "muss etwa in Höhe des Hauses Hummer 68 gestanden haben", sinniert er. Schreibwaren Kiewert, Torten Scholz, und eben Metzger Wiebusch und die Mutter von Baldur Brinkmann (Orgellehrer) mit einem Lebensmittelgeschäft schlossen sich an. So schloss sich von Haus 68, 70, 74 bis 76 Geschäft oder Gewerbetreibender an Gewerbetreibenden an. Noch einen Friseur hat Uwe Scholz "auf dem Schirm". Nämlich Meister Gomball und einen Anstreicher mit Namen Hugo Voßwinkel. "Dessen Frau Greta war irgendwie ein Original. Ich glaube, die hatte nur einen Zahn oben und einen Zahn unten im Mund. Als Kinder hatten wir deshalb mächtig Respekt vor der stets freundlichen Frau."

Ende 1961 habe ein weiterer Metzger mit Namen Mühlenkamp - davor hieß der Geschäftsinhaber Köster - seinen Laden in diesem Teil der Rahmede geschlossen. Heute befindet sich das Kärcher-Geschäft an dieser Stelle.

An den Lebensmittler Heinz Friedrich Hahne, den alle unter dem Spitznamen "Ackerlemm" kannten, hat Scholz noch gute Erinnerungen. Der sei fuchsteufelswild geworden, wenn ihn jemand mit seinem Spitznamen gerufen habe. "Dann konnte der richtig austicken", was natürlich besonders Kinder gereizt habe, es irgendwie zu versuchen. Neben Ackerlemm habe es noch ein Milchgeschäft gegeben, "auch dort musste man einige Treppen hinabsteigen, der Name, der Name ist mir aber entfallen."

Scholz Gedanken wandern zum Drescheider Berg. Dort gab es das Fahrgeschäft Ziss, einen Lebensmittelhändler mit eigenem Verkaufswagen. "Die dort angebotenen Milchprodukte waren immer Spitze. Wir haben als Familie dort gerne Käse gekauft. der war immer frisch und sehr lecker."

Ob der Betreiber der Poststation nun Neumann oder Neuhaus hieß - das kann Uwe Scholz "nicht mit Sicherheit sagen". Aber die Sache mit dem Fünzig Mark-Schein, die verbindet er Zeit seines Lebens mit dieser kleinen Poststelle. Daneben betrieb Elektro Betzel - später Orth - ein Lampengeschäft und Familie Heupel einen Lebensmittelladen an der Ackerstraße - Waldstraße. Nicht weit davon verkaufte Familie Brinkmann in einem kleinen Laden an der unteren Ackerstraße Lebensmittel. "Das war wirklich klein. Aber gemütlich und gut sortiert".

Man müsse bedenken, dass auf dem Drescheider Berg "zu dieser Zeit nur ein paar Häuser standen. Und doch haben alle Gewerbetreibenden gelebt. Und ich glaube, nicht schlecht." staunt Scholz noch heute.

Ein letzter Schwenk: Südstraße, ein Gang über die Brücke. Dort betrieben zwei Geschwister, zwei ältere Damen, den hut-Laden Lengelsen. Am Breitenhagener Weg gab es Bäcker Bradkler (heute Netto) und Lebensmittel Hesse. Auch dieser Einzelhändler verfügte über "einen beweglichen Verkaufswagen", wie es früher hieß, so Scholz. In ein paar Garagen betrieb eine fleißige Frau eine Heißmangel und wo Taxi de Maio heute seine Zentrale hat, verkaufte Familie Ritschel Lebensmittel. "Auch hier möchte ich sagen: Der Käse, der in der Kühltheke lag, war gut, sehr, sehr gut."

Neben der ehemaligen Sparkasse konnten Rahmeder noch einmal Lebensmittel und frisches Obst bei Ackerlemm kaufen und an der Bahnschranke in Höhe der Steinernen Brücke betrieb im heutigen Fahrschul-Geschäft eine Familie Leitner eine Drogerie. "Wir haben heute im ganzen Stadtgebiet keine mehr..." Ursula Scholz stand in ihrem Blumenladen oft bis 19 Uhr am Abend und kam kaum weg. "Natürlich hatte sie den Tag über oft Hunger. Dann habe ich ihr immer ein Leberwurstbrötchen geholt. Das mochte sie so gern. Meistens von Marianne Wiebusch, die hat die Leckersten gemacht..." Untere Rahmede, Drescheider Berg - nur ein kleiner Teil der Stadt. Und doch: Hier gab es eine Vielfalt an Geschäften und Läden, die heute undenkbar ist. Wir setzen diese Serie kommende Woche mit der Oberen Rahmede an dieser Stelle fort.

 

21.07.2016: Den Kronprinzen vergessen

Jürgen Meyer ergänzt Rahmede-Geschäfte

"Ergänzen Sie, korregieren Sie. Liefern Sie uns Fotos!" - Unsere Artikel-Serie über ehemalige so genannte "Tante Emma-Geschäfte" in den Stadtteilen kommen gut in der Leserschaft an. Und immer wieder gibt es nette Hinweise, Ergänzungen oder Korrekturen.

 

Es gab noch deutlich mehr Geschäfte in der Unteren Rahmede, als am Montag, 18.07.2016, aus einem Gespräch mit Uwe Scholz als Zeitzeugen festgehalten. Daran erinnert AK-Leser Jürgen Meyer im Nachgang zu unserer AK-Sommerserie mit dem Titel: "Damals bei Tante Emma".

Etwa eine kleine Bäckerei, die von Bäcker Becker geführt wurde - später war dieser Geschäftsmann dann in Höhe des Apollo-Theaters zu finden. Der beschriebene TT-Markt (korrekte Bezeichnung Tapeten Bartels) sei aber nicht dort gewesen, wo heute Debeka ist, dort habe es vielmehr einen Dr. Hohage und gegenüber die Kneipe "Kronprinzen" - eine legendäre Gastwirtschaft, die man nicht vergessen sollte. Neben der Konditorei Scholz gab es eine weitere Gastwirtschaft mit Kegelbahn. In Höhe der Hausnummer 80 gab es ein Metzger mit Namen von Ohle und den Friseurladen Gromball habe eine Frau Meisterin, kein Mann, geführt, wie Scholz sich glaubte zu erinnern. Dort wo heute ein Kärcher-Geschäft sei, habe es aber nie einen Metzger gegeben. Ackerlemm und sein Spitzname - daran erinnert sich auch Jürgen Meyer zu gut... Und an den Steinbruch. Dort gab es das Lager der Firma Bartels und einen Getränkebrenner mit Namen Schulz. Der brannte Hochprozentigen und füllte sogar Mineralwasser ab. Unter welchem Namen das allerdings in den Handel kam, kann Meyer nicht mehr sagen. Schnaps Schulz - unter dieser Bezeichnung habe er sich über die Rahmede hinaus einen Namen gemacht. Die Abfüllanlage für das Wasser habe im Steinbruch links gestanden. Hier gab es auch einen Laden Bitter gegenüber von Hesse.

korrekturbedürftig ist nach Ansicht von Jürgen Meyer die Erinnerung an die Ackerstraße. Dort gab es Elektro Betzel und davor den kleinen Milchladen Ziss. Auch ein Geschäft Bätzel habe es gegeben sowie den Zahnarzt Brünnighaus.

Neumann oder Neuhaus? "Die Poststelle hieß Neuhaus!" stellt Meyer klar. Bis sie zur Poststelle wurde, verkaufte der betreiber Schul- und Schreibbedarf.

Wenig darüber gab es das Lebensmittellädchen Heupel, und dort, wo heute die Übergangshäuser zur Waldstraße stehen, verkauften Brinkmanns Lebensmittel - an der Wald-, aber nicht, wie Scholz sich glaubte zu erinnern, an der Ackerstraße. Liegt ja auch alles nah beisammen...

Zurück zur Südstraße: Beim Gang über die Wachholderbrücke gab es den Laden Lucas, den Milchladen Bradler sowie Hesse Lebensmittel. Auch die bereits von Scholz ins Spiel gebrachte Heißmangel hat jetzt einen Namen: Jürgen Meyer. "Sie wurde von Familie Hesse betrieben." Zu Ende geht die Geschichte der Geschäfte in diesem Bereich mit Kohlen Kipper und einem Laden Klinke sowie einem fleißigen Klempnermeister.

 

23.07.2016: Boxer Max Schmeling in der Rahmede und ein Hippodrom-Elefant in der Kneipe von Doris Panne

AK-Sommerserie "Damals bei Tante Emma" - Neues aus der Rahmde

Uwe Scholz hat sich erinnert, dass mein Ehemann Ernst-Heinrich Hahne (bitte mit Bindestrich) den Spitznamen Ackalemm führte. Das ist zwar richtig, er wurde aber auch Tengelmann gerufen", erzählt Ehefrau Brigitte Hahne beim AK-Besuch.

 

Sie hat zu Geschäften in der unteren Rahmede - unsere Zeitung stellte sie am 18. Juli vor - noch einige Anmerkungen. "Ein Lebensmittel- und Feinkostgeschäft führte dort auch Ria Hahne zunächst an der Rahmedestraße 97 im Haus von Familie Schauerte. 1958 ist sie mit dem Geschäft umgezogen auf die andere Straßenseite ins neu errichtete Haus von Heinz Hübenthal an der Rahmedestraße 98." Brigitte Hahne weiter: "1967 hat mein Mann Ernst-Heinrich das dann übernommen."

Marianne Radke hat ebenfalls viele Erinnerungen an die Rahmede, wo sie aufwuchs. "An der Steinernen Brücke gab es ein Lokal Blanke. Das wurde später von einem Wirt aus Hagenweitergeführt, den alle "Sitten-Willi" nannten, weil es dort irgendwie zwielichtig war. Meine Eltern hatte bekanntlich die Metzgerei Hermann Wiebusch. Und wir haben auch "Sitten-Willi" mit Würstchen beliefert. Damals wurde ja noch viel Kartoffelsalat mit Würstchen in Gasthöfen verzehrt." Ihr Papa habe aber nicht gewollt, dass sie als Kind die Lokalität von "Sitten-Willi" betreten hätte.

Dort, wo einst das Gebetshaus der Zeugen Jehova war, führte Doris Panne einen Gasthof. da seien insbesondere am Wochenende die Familien gerne ein- und ausgegangen.

"Da stand plötzlich ein Elefant im Raum"

"Papa trank sich hier ein Bier, Mama bestellte sich ein Kännchen Kaffee und wir hatten als Kinder die Ansage ´es gibt nur eine Fanta!´, erinnert sich Radke. In den 1960er Jahren, als in Altena Schützenfest gefeiert wurde und es dort ein Hippodrom gab, sei der Betreiber mit einem Elefanten bei Panne in der Kneipe vorbeigekommen. "Das Tier hat die Tür zerstört und ist im Wirtsraum auf Grund seines Gewichtes eingebrochen. Unglaublich, unglaublich aber wahr", sagt Radke.

Von der Gaststätte "Zum Kronprinz" war schon die Rede. Dort wurde zum 1. Mai, so Radke, "auf der Straße getanzt." Am Lokal selbst sei ein großer Maibaum mit Bändern aufgehängt worden und ein Schifferklavier-Spieler habe für Stimmung gesorgt.

Frau Bartels und ihre Tochter, die in erster Ehe mit Wilhelm bartels verheiratet war, gehörte zum gleichnamigen Teppichladen. Und als es in der Familie dort eine Hochzeit zu feiern gab, sei sogar Boxlegende Max Schmeling in der Rahmede aufgetaucht und mit einem großen Auto als Besucher vorgefahren.

Hinter der Konditorei Scholz, ein paar Treppen hoch, gab es am Drescheider Berg sogar einmal eine Schuhfabrik. "Wir gehen übern Schrott", sagten wir Kinder immer, so Radke.

Gasthof Gerber hatte im Garten eine Kegelbahn, auf der die Kinder - allerdings nur Jungs, die Pinne aufstellen durften. Dort wurden sogar Fahrkarten für die Schnurre verkauft.

Von der Metzgerei ihrer Eltern, Elisabeth und Hermann Wiebusch, über Schuster Haas, den alle Krätzer Haas nannten und Opa Nölle, der in Höhe der Firma Berg wohnte und der als Kutscher zwei Pferde vor einen Leiterwagen spannte und damit täglich zum Bahnhof fuhr um Stückgut abzuholen - Marianne Radke kann sich an Vieles erinnern. Auch an Herrn Treppmacher, den die unteren Rahmeder "Bürgermeister" nannten, weil er immer alles wusste, aber aus dem Krieg ein Holzbein zurückbehalten hatte. Radke: "Der konnte so viel erzählen..."

Wie die umtriebige Frau selbst, die nach ihrer Schulzeit am Drescheider Berg eine Lehre in Lüdenscheid absolviert hat. "Mein Opa Johann Both war Schaffner und Rangierer bei der Kreisbahn. Weil ich nach Lüdenscheid musste, hat er mich auch immer mit dem Zug mitgenommen. Dafür musste ich nichts zahlen." Allerdings - diese Einschränkung gab es, die junge Marianne musste im Gepäckwagen Platz nehmen. "So bin ich immer auch Schraubenkisten der Firma Mayweg gefahren - aber gespart hat uns das schon eine Menge Geld", grinst sie.

 

 

25.07.2016: Samstags Fernsehen für 10 Pfennig

AK-Sommerserie: "Damals bei Tante Emma" - Hans Langenbach erinnert an die "Obere Rahmede"

Fahrradventil kaputt? Als Hans Langenbach Kind war, war das in der Rahmede kein Problem: In Zum Hohle gab es einen gut sortierten Fahrradladen, Walter Bührmann hatte natürlich alle nur denkbaren Ersatzteile auf Lager. "Hier hat man alles bekommen, was man im Alltag so brauchte", sagt der Vorsitzende des Heimatvereins Rahmede über das damalige Geschäftsleben.

 

Gerade ist Langenbach dabei, für die Rammuthe einen Beitrag über Läden und Handwerker an der Mühlenrahmeder Straße zu schreiben. " Das war so eine Art kleine Einkaufsmeile", sagt er und mag viel mehr nicht verraten. Dahinter steckt journalistischer Ehrgeiz: Diese Geschichte soll die heimatkundliche Zeitschrift für die Rahmede exklusiv bekommen.

"Das war so eine Art richtig kleine Einkaufsmeile hier in der Rahmede"

Macht nichts - was es im zur Landgemeinde Lüdenscheid gehörenden Teil der Rahmede sonst noch so gab, sprengt ohnehin den Platz. Der Altenaer Teil des Tales ("Städtisch Rahmede") endete etwa in Höhe der Bft-Tankstelle. Nur ein paar hundert Meter weiter steht heute das Dalmatia. Damals hieß die Gaststätte Heiermann und warb mit einem Saal für bis zu 800 Leute. Wirt Heiermann ließ sich sogar eine Stromleitung zu einer benachbarten Firma legen, um einen "Cinematographen" betreiben zu können.

Damals war es üblich, dass man nach der Arbeit (oder manchmal schon davor) auf zwei, drei Bier irgendwo einkehrte. Dementsprechend viele Kneipen gab es: Die Bahnhofsgaststätte an der Einmündung des Hemecker Wegs, Coordt, den Fuchsbau. Gerne erinnert sich Langenbach an das Gasthaus "Zur Fuelbecker Talsperre", weil es da einen der ersten Fernseher in der Rahmede gab. Einen Groschen kostete es, dort samstags in die Röhre zu schauen. Im Haus Funke in Zum Hohle gab es im Saal des öfteren Konzerte.

Bekanntlich fuhr die KAE durch die Rahmede, sowohl Altena als auch Lüdenscheid waren damit schnell erreicht. "Aber zum Einkaufen fuhr man nur selten hin", berichtet Langenbach. Fast alles wurde direkt vor Ort erledigt. Zum nächsten Lebensmittelhändler war´s meist nur ein Katzensprung, selbst am Unteren Ardeyweg gab es eins. "Das war oft nur ein Zimmer, die Hausfrau machte das so nebenbei", weiß der Heimatforscher. Es gab aber auch größere Lebensmittelläden, zum Beispiel Unmack gegenüber des Kleinbahn-Bahnhofs, Graul an der Rotenschlade und nicht zuletzt den Kolonialwarenladen von Erich Obstfeld, der sogar am "Konsumweg" gelegen war - so hieß damals die Straße "Zum Hohle" zwischen Rahmede und dem Abzweig nach Lenscheid. In Grünewiese gab es zwei Lebensmittelgeschäfte direkt nebeneinander. Bei Götter direkt an der Rahmedestraße wurden auch KAE-Fahrkarten verkauft, in dem Haus dahinter, also zur Grünewiese hin, wurde ein Lebensmittelgeschäft von Brand und später Kopatz betrieben. Natürlich gab es auch Metzger, Scholz in Mühlenrahmede zum Beispiel oder Düsberg in Altroggenrahmede. Brötchen kaufte man zum Beispiel bei den Bäckern Hessling, Schulte oder Schmidt.

"Ötte" Kemmler war zu Lebzeiten ein stadtbekanntes Original in der Rahmede. Bei ihm kaufte man Tabakwaren, außerdem betrieb er eine private Leihbücherei. "Lilli Blech" war die erste Adresse, wenn es um Sanitärbedarf ging. Auch Kleineisenwaren konnte man dort kaufen, die führte aber auch Klein und Schüler in Mühlenrahmede. Margarete Schüler verkaufte unweit der Gaststätte Heiermann Textilien und Miederwaren, Budde und Dunker waren weitere Textilgeschäfte. "Meine Schulhefte habe ich bei Seckelmann gekauft", erinnert sich Langenbach. Er hätte aber auch zu Kötting gehen können, wo die Schreibwaren im Friseurgeschäft zu haben waren. Es gab auch ein "Möbelhaus", und zwar in dem kleinen Laden neben dem heute von der Schreinerei Schmidt, genutzten ehemaligen Aldi, in dem heute belegte Brötchen verkauft werden.

In den 60er Jahren begann das große Geschäftesterben in der Rahmede. "Viele hatten keine Nachfolger", berichtet Langenbach. Die Kinder hatten andere Berufe erlernt, verdienten in der Fabrik oder im Büro mehr Geld. Außerdem machten die ersten Supermärkte auf, die Leute hatten Autos und Kühlschränke und deckten ihren Bedarf "in der Stadt" bei Plus oder Tengelmann. Viele Läden sind spurlos verschwunden, von anderen gibt es noch Spuren wie zum Beispiel übergroße Fenster in heute als Wohnhaus genutzten Gebäuden.

 

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1+2: Archiv der Stadt Altena