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Schützenlexikon

Scheffe


Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

4. Zusatzinformation

 

 


zu 1.: Allgemein

1. Laut Wikipedia ist "Scheffe" ein alter Begriff für einen Schöffen: Ein Schöffe (von althochdeutsch sceffino oder scaffin, der Anordnende; mittelhochdeutsch Scheffe oder Schepfe) oder Schöppe war im hohen und späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit eine Person, die mit Aufgaben in der Rechtsprechung aber auch – da damals rechtsprechende und exekutive Gewalt nicht getrennt waren – mit Verwaltungsaufgaben betraut war.

Quelle: www.wikipedia.de

2. In der Festausgabe des Altenaer Kreisblatt von 1962 war eine Erklärung von Dr. Josef Lappe* zu lesen: "Scheffe" ist ein altdeutsches Wort mit der Bedeutung: Der Schaffende, Ordnende. Ihm obliegt die Verwaltung und die Einhaltung der Ordnung, kurz die Erledigung aller Aufgaben, die nicht militärischer oder richterlicher Natur waren.

* Dr. Josef Lappe: 1879-1944 , deutscher Pädagoge, Heimatforscher und einer der produktivsten westfälischen Historiker)

3. Wilhelm Simons geht in dem Buch "Altena und seine Schützen" davon aus, dass sich der Begriff von dem Wort "Schöffe" ableitet. Schöffen sind ehrenamtliche Richter.

Wilhelm Simons: Adjutant der FWG

4. In der Umgangssprache wird das Wort "Scheffe" auch benutzt. Gemeint ist dann ein "Chef", also ein Vorgesetzter. Vorgesetzt sind Personen, denen innerhalb einer Organisation die Befugnis erteilt wurde, Anordnungen an nachgeordnetes Personal zu erteilen.


zu 2.: Heute in Altena

Die Scheffen stehen den Zug- und Kompanieführern beratend zur Seite. Heute werden die Scheffen nicht mehr direkt von den Schützen gewählt. Stattdessen werden verdiente Zugführer dem Vorstand von den Kompanieführern zur Ernennung vorgeschlagen. Die Wahl findet dann im Vorstand statt. Auch der abtretende König wird Scheffe seiner Kompanie.

Neugewählte Scheffen können ihre Aufgaben als Zugführer auf eigenen Wunsch fortführen.

Scheffen, die sich um die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft besonders verdient gemacht haben, können zu Ehrenscheffen ernannt werden.


zu 3.: Geschichte

Bei allen Widersprüchen: Beschäftigt man sich mit den o.g. allgemeinen Definitionen des Wortes "Scheffe" und vergleicht sie mit den historischen Aufgaben der Scheffen in der Altenaer Schützengesellschaft, so stellt man fest, dass alle vier Erklärungsversuche ihre Berechtigung haben.

In der ältesten überlieferten Schützenordnung aus dem Jahre 1429 ist festgelegt worden:
Erstens ist es üblich, daß man die Schützen läßt zusammenkommen auf Sonntag vor Pfingsten, und um zu fragen, ob man auch dieses Jahr den Vogel schießen will; wird dann eingewilligt, so wählt man zwei Scheffen und zwei Brüchtemeister.

Nadine Hampel beschreibt den Brauch in ihrem Buch "Das Schützenfest als kultureller Sonderfall" wie folgt:
Am Sonntag vor Pfingsten, dem Tag Exaudi, traf sich die Schützengesellschaft zur Planung und am Gudenstag, dem Mittwoch nach Pfingsten, wurde das Fest abgehalten.
(...) Schon damals hatte die Schützengesellschaft eine Struktur mit Militärbezeichnungen, die höchsten Positionen waren hier Führer (Förer), heute Hauptmann genannt, Fähnrich, Scheffen und Brüchtemeister.
Auch beim Brüchtengeding übernahmen Scheffen Aufgaben um die Brüchtemeister zu unterstützen.
 

Ab 1632 können wir alle Scheffen der Schützengesellschaft namentlich belegen. Aufgrund der Vielzahl von Namen wird auf eine Auflistung an dieser Stelle verzichtet. Die Namen findet man in dem Buch "Altena und seine Schützen" von Wilhelm Simons auf Seite 180 ff. Alle Scheffen ab 1950 finden Sie auch in unserer Chronik.

Außerdem gibt es die zusätzliche Position des Ehrenscheffen.


4. Zusatzinformation

Im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ist die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft ein Verein. Nach § 26 Abs. 1 Satz 1 BGB muss der Verein einen Vorstand haben, der nach Satz 2 aus mehreren Personen bestehen kann.

Der geschäftsführende Vorstand der FWG besteht aus Hauptmann, Adjutant, Fähnrich, Rendant, Schriftführer sowie den fünf Kompanieführern.

Der Gesamtvorstand der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft umfasst über 100 Personen. Dazu zählen u.a. auch die Zugführer, Ehrenscheffen und Scheffen.

Der König ist nicht per se Mitglied des Vorstandes.


Autor: Christian Klimpel / 2018; Mailto: christian.klimpel@gmx.de