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Schützenlexikon

Schütze

Ein Schütze im Sinne dieses "Schützen-Lexikon" ist ein Mitglied der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft Altena.

Frauen können in vielfältig Form in der FWG mitwirken, ihr jedoch nicht beitreten.

 

Zur Deutung des Wortes und zur Geschichte des Schützenwesens sei im folgenden auf www.wikipedia.de und das Buch "Das Schützenfest als kultureller Sonderfall" von Nadine Hampel verwiesen:

Ein Schütze ist im Allgemeinen eine Person, die mit einer Schusswaffe schießt (z. B. mit einem Gewehr, einer Pistole, aber auch einer Armbrust oder einem Bogen).

Quelle: www.wikipedia.de

 

Natürlich ist nicht jeder Schütze ein Schütze im Sinne des hier zu untersuchenden Institutionswesens. Jäger, Soldaten, sie kämpfen an der Waffe, sind aber nicht Teil des hier dargelegten Untersuchungshorizonts.

Laut Theo Reintges ist die etymologische Herkunft des Wortes in erster Linie „Schütze von schießen“, „Entsenden von Geschossen“ oder „ein mit einer Schusswaffe Ausgestatteter".

Der zweite Sinn ist der, dass selbige, mit Schusswaffen Ausgestattete, eine Schutzfunktion bekleiden und damit auch Schützer sind.

Viele, die die Meinung vertreten, Schütze im Sinne des Schützenwesens käme von „schützen“ bzw. „beschützen“, blenden die erste Bedeutung also aus. Genauso zweideutig wie die etymologische Herkunft des Wortes ist auch der Ursprung des Wesens, wie im Folgenden zu erkennen ist. Forscher auf diesem Gebiet sind sich jedoch uneins, ob der direkte Ursprung in Wehrorganisationen oder Schutzorganisationen liegt.

Da Rituale, insbesondere das Vogelschießen, auf dem Land seit ältester Zeit beibehalten wurden, kann ein genaues Datum der Entstehung des Schützenwesens nicht festgelegt werden.

Schon Homer sprach im 23. Gesang seines Epos Ilias von einem Vogelschießen, welches die Achaier zu Ehren ihres toten Kameraden Patroklos begehen.

 

„Und stellte eine Mast von einem schwarzbugigen Schiff

Fern auf dem Sand, und eine ängstliche Taube

Band er mit dünner Schnur am Fuß daran fest und befahl

nach ihr zu schießen“

 

Die Datierung der Erzählung ist bis heute umstritten. Annehmbar ist jedoch, dass sie mindestens sieben Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung entstand, sodass der Wert für die Historie des Brauches unumstritten ist.


Vergil schrieb zwischen 29 und 19 vor Christus ebenfalls eine Darstellung des Brauches nieder. In seinem Epos Aeneis, in dem er einen der Gründungsmythen des alten Rom erzählt, werden im 5. Buch zu Ehren des toten Anchises eine Reihe von Spielen veranstaltet, unter anderem das Bogenschießen auf einen lebenden Vogel.

 

„Und nun fordert Aineias auf, wem immer mit raschen

Pfeilen den Kampf zu versuchen beliebt, und ordnet die Preise.

Dann mit gewaltiger Hand stellt selbst er den Mast von Serestus'

Schiff auf und knüpft hoch an das Tau, das oben hindurchgeht,

Eine geflügelte Taub' als Ziel für das Eisen der Schützen."

 

Diese beiden Auszüge zeigen, dass der Totenkult früher ein Grund war, imposante Spiele abzuhalten, unter welche auch die frühe Form des Schützenspiels fiel. Auch in den ersten Jahrhunderten des bestehenden Schützenwesens waren der Totenkult und damit die Ehrung verschiedener Kameraden sehr bedeutsam. Heute sind lediglich die Nennung und ein kurzes Schweigen Sitte. (...)

 

Auch Gottfried Keller beschrieb 1860 in seiner Novelle „Das Fähnlein der sieben Aufrechten“ ein Schützenfest. Angelehnt an das Zürcher Schützenfest von 1859 wird sehr detailliert beschrieben, wie ein solches Fest abgehalten wird und welche Elemente den größten Stellenwert einnehmen. Besonders die Reden, die bei diesem und ähnlichen Festen gehalten wurden und werden, wird hervorgehoben, denn der Charakter der Feiern, die Stimmung der Anwesenden und auch die Meinung und Haltung gegenüber dem Redner hängen sehr stark vom Inhalt und der Vortragsweise der Reden ab. In solchen Festreden durfte die eigene politische Haltung eingenommen werden, wodurch oft der Eindruck einer „parlamentarischen Opposition der Redner“ entstand, aber die Begeisterung für die Reden auch erhöht wurde.

Die Jahreszahl lässt noch an ein anderes Ereignis denken, denn 1859 fanden auch die berühmten Schillerfeiern zur Feier des 100. Geburtstags des Dichters statt.

Einen Zusammenhang gibt es hier insofern, dass unter dem Motto „was aus dem Geiste kommt geht nie verloren“ beide Feste als Rettung bzw. Ersatz des untergehenden Theaters galten.

1821 wurde die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria Weber uraufgeführt, in welcher die Schattenseiten des Schießsports dargestellt wurden. Denn die Schwierigkeit des Vogelschießens, gerade mit Armbrust oder Feuerrohr bzw. Büchse, brachte mit sich, dass gute Schützen als mit dem Teufel im Bunde bezeichnet wurden. Die Oper zeigt also das Dilemma, in dem sich der beste Schütze befindet, da zwischen Ruhm und Verruf steht.

 
Dies zeigt erneut den großen kulturellen Stellenwert, den Schützenfeste und vergleichbare Feierlichkeiten schon seit dem frühen Lauf der kulturellen Geschichte einnahmen bzw. einnehmen.

 

Um einen vernünftigen Überblick über Ursprung, Geschichte und Entwicklung des Schützenwesens zu bekommen, wird die Zeitspanne zwischen der Existenz von Gilden bis zum heutigen Stand dieser alten Institution betrachtet. Dabei ist zu beachten, dass das Gildewesen in seiner religiösen Form älter ist als die Schützengilden, die sich herausbildeten. Etwa Ende des 14. Jahrhunderts vollzogen sich viele dieser Umwandlungen. Aus dieser Zeit datieren zumindest die ältesten noch bestehenden Schützengesellschaften zum ersten Mal.

 


Generell gibt es 3 verschiedenen Ansätze und Theorien über Wesen und Ursprung des Schützenwesens.


1. Die Schutztheorie:

Die Schutztheorie besitzt die Befürworter. Sie spaltet sich auf in

a) die Wehrtheorie, also Entstehung aufgrund von Wehrvereinigungen und

b) die nichtmilitärische und damit soziale Schutztheorie, also Entstehung aus dem Prinzip der Hilfe gegenüber den Freunden und Nachbarn. Diese soziale Schutztheorie würde beispielsweise Pestjahre oder Wirtschaftskrisen betreffen.


2. Die Frühlingskulttheorie:

Diese Theorie ist davon abgeleitet, dass alle Feste, die mit den Gilden zu tun hatten, im Frühling stattfanden. Darunter Pfingsten, Maifest und Ostern. Insbesondere der 1. Mai wurde zelebriert und brachte viele Bräuche mit sich, die sich bis heute erhalten geblieben sind, wie beispielsweise das Baumsetzen. Das Schützenfest fand aufgrund dieser Theorie zu früheren Zeiten im Frühling statt. Die Gilden werden daher auch Pfingstgilden genannt, da um diese Zeit herum die wichtigsten Feste stattfanden.


3. Die Bruderschaftstheorie:

Entstehung aus meist kirchlichen Bruderschaften, um deren Werte zu erhalten.


4. Die (einfache) Gildetheorie:

Der Unterschied zwischen der Bruderschafts- und der Gildetheorie ist lediglich, dass den Gilden Trinkgelage und Totenkult als mehr oder minder einzige Tätigkeiten nachgesagt wurden. Daher hat diese auch eine sehr kleine Zahl an Vertretern.


Natürlich gibt es auch Mischformen der Theorien. Die meistvertretene Theorie ist ebenfalls eine Mischform, nämlich aus der Schutz- und der Bruderschaftstheorie.

Quelle: Nadine Hampel; Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de