Noch 222 Tage bis zum Schützenfest!

Schützenlexikon

Schützenfahne

Schon die ältesten Aufzeichnungen berichten vielerorts von Fahnen, die bei Festumzügen vorangetragen werden, sodass die Schützen symbolisch ihrer Fahne folgen können. Die Fahnen unterscheiden sich von Gesellschaft zu Gesellschaft, unterschiedliche Bilder, die meist mit der Stadt zu tun haben und unterschiedliche Mottos zieren die Seiten der Fahne.

Zur Tradition der Fahne als Symbol gehört auch das Abholen der Fahne am ersten Festtag, welches meist von einer Kapelle begleitet wird.

 

 


In Altena

wurde das "Fänlein" bereits in der ältesten überlieferten Schützenordnung erwähnt. Eine neue Fahne wurde 1686 angeschafft. Ihre Elemente, ihre Form und ihre Symbole haben sich seitdem kaum verändert. Als Symbol für Wiedererkennung, Zusammengehörigkeit und Einzigartigkeit unter den anderen Gesellschaften, führt die Fahne traditionell den Festzug an.

 

 

 

Auf der einen Seite befindet sich, auf blau-weiß gestreiftem Untergrund, ein Bild, in dem eine Gruppe Schwäne einen eindrucksvollen Adler abwehrt. Dieses Bild ist umgeben vom althergebrachten Motto ‚Reddit conjunctio tutos“ – Einigkeit macht stark.

 


Die andere, in grün gehaltene Seite, zeigt das Wappen der Stadt Altena umgeben von grünen Eichenzweigen. Darüber und darunter befinden sich Bilder die das Leben der Stadt zeigen, Drahtzieher, die Burg und andere wichtige Gebäude.

Eingerahmt wird dieses Gesamtbild von einem Leitsatz, der den Schützen immer Durchhaltevermögen und Hoffnung geben sollte: „Vier Ecken Stein, wie der auch fällt, sich immer auf die Seite stellt.“

Egal was die Jahrhunderte den Schützen und der Stadt noch bringen mögen, die Fahne soll stets stolz voranflattern und die Schützen sollen niemals ihrer Stadt und ihrer Fahne untreu sein.

Quelle: Nadine Hampel, Das Schützenfest als kultureller Sonderfall; 2010

 

Die Fahne der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft ist keinesfalls mit den grün-weißen oder rot-grün-weißen Wimpeln und Bannern zu verwechseln, die bei den Veranstaltungen der Schützen als Schmuck dienen.

 

Die Geschichte der Altenaer Schützenfahne


Um 1580

Bereits in der ältesten überlieferten Schützenordnung aus dem Jahre um 1429 wird unter Punkt 8 das "Fähnlein" erwähnt:

 

Achtens sollen Habbecke und Adolf Bergfeld das Fähnlein instand halten,

dafür, dass sie den Ausgang in den Bungern nehmen dürfen, den sie

im Notfall gebrauchen sollen.

 

Angaben dazu, wie diese Fahne aussah, sind nicht überliefert.

 

1686

In diesem Jahr ließ die ehrbare Schützengesellschaft "an Platz des zerrißenen Fähnleins" für 25 Thaler ein neues in Köln angefertigt. Neben der lateinischen Inschrift „Reddit Conjunctio Tutos“ (Eintracht macht sicher) zeigte es in der Mitte einen fliegenden Adler, der einige auf dem Wasser schwimmende Gänse zu erhaschen trachtet, solche aber, weil sie sich getreulich zusammenhalten, nicht anfallen darf.

Als dann im selben Jahr am 29. Juli Schützenspiel im Bungarten gehalten wurde und Heinrich Wortmann den Vogel schoss, konnte die neue Fahne ihrer Bestimmung übergeben werden.

226 Jahre hielt diese erste Schützenfahne und überstand dabei 35 Schützenfeste. Sie wird heute in einer Vitrine auf Burg Altena ausgestellt.

 

1912

Die Fahne wurde 1912 gegen ein neues Exemplar ausgetauscht. Das Motiv von 1686 wurde übernommen. Sie wurde in der Bonner Fahnenfabrik hergestellt und kostete 1200 Mark.

1934

Das erste Schützenfest in der Zeit des Dritten Reichs fand statt. Es war noch weitgehend frei von nationalsozialistischen Einflüssen. Allerdings nahmen neuerdings die Spitzen der lokalen Behörden an den Feierlichkeiten teil, damit eine Kontrolle „in angemessener Weise“ gewährleistet war. Die Anwesenheit der NSDAP wurde dadurch zur Schau gestellt, dass der Kreisleiter am ersten Festtag einen Hakenkreuzwimpel an die Fahne heftete.

 

1937

wurde veranlasst, beim Schützenumzug neben der Gesellschaftsfahne auch die Fahne der Reichsbundes für Leibesübungen zu tragen. Als Landesfahne wurde allerdings eine schwarz-rot-goldene Fahne, keine schwarz-weißrote getragen, ein sehr kontroverser Aspekt.

 

1956

Eine neue Königskette wird entworfen: Auf einer ihrer Plaketten ist das Motto der Fahne abgebildet.

 

1995

Mitarbeiter der Bonner Fahnenfabrik führen in Altena Gespräche mit dem Vorstand über eine neue Fahne. Zum Entsetzen des Fähnrichs ersetzen sie dabei die schwarz-rot-weißen Fransen gegen goldene.

 

2003

Mit dem Schützenfest 2003 hat die zweite Fahne insgesamt 25 Schützenfeste ausgehalten. Wunsch des Vorstands war es, dass die Fahne 100 Jahre (bis 2009) im Dienst bleibe, doch war Fähnrich Peter-Wilm Schmidt sicher: "Das hätte der Stoff nicht mehr ausgehalten."

 

2005

An der Fahne muss eine Notsicherung vorgenommen werden, der Stoff wurde durch zusätzliche Fäden haltbarer gemacht. Am 03. Mai konnte endlich die neue Fahne bestellt werden. Sie kostete 6800 Euro.

 

2006

Die dritte Fahne der Altenaer Schützen wird beim Schützenfest 2006 von Pfarrerin Gudrun Vogel und Kreisdechant Bernward Mezger auf dem Bungern geweiht. Auch sie zeigt das historisch überlieferte Motiv.

 

2009

Zum 100jährigen Bestehen der zweiten Fahne wird diese beim Festumzug gemeinsam mit der dritten Fahne durch die Stadt getragen.

 


Der Fähnrich ist für die Fahne verantwortlich. Sie wird nicht nur bei den Schützenfesten gebraucht, sondern geht bei allen Beerdigungen von Vorstandsmitgliedern mit.

 

Fahnenweihen:

 

Ankündigung der Fahnenweihe 2006 (Hauptmann):

Liebe Schützen, Ihr habt es alle in der Presse gelesen: Als erstes heute Abend die Fahnenweihe. Kompanie stillgestanden! Richt euch! Augen geradeaus! Zum Einmarsch der neuen Fahne Augen rechts!

Aufzug der Fahnengruppe

 

Pfarrerin Gudrun Vogel:

Die Welt zu Gast bei Freunden! Das ist das Eine, liebe Schützen, liebes Königspaar, verehrte Gäste. Das andere ist das Schützenfest in Altena. Und hier wie dort geht es um Teamgeist, hier wir dort gibt es königliche Schüsse und hier wie dort wird in diesen Tagen deutlich sichtbar, wie wichtig es ist, Flagge zu zeigen, Farbe zu bekennen. Dabei hat nicht jeder Altenaer Schütze ne Fahne - noch nicht! Aber alle Altenaer Schützen haben gemeinsam EINE Fahne, eine neue sogar, und wo immer diese neue Fahne in Zukunft hin marschiert marschieren die Schützen hinterher. Eine Fahne zu haben bietet Orientierung, denn sie ist Programm. Dabei geht es nicht nur darum, alle drei Jahre fröhlich miteinander Schützenfest zu feiern, sondern, wer uns hier vorne sieht, einen katholischen Dechanten und eine evangelische Pfarrerin, mithin einen Mann und eine Frau, und wer sich umsieht, so wie die Gänse auf der Fahne sich eine nach der anderen umsehen, wer sich einmal umschaut und dabei die verschiedenen Berufe, die verschiedenen Altersgruppen und die ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten unter den einheitlichen grünen Mützen erkennt, der bekommt eine Ahnung von dem, was die neue Fahne, ebenso wie die alte, symbolisiert. Der bekommt eine Ahnung von der verbindenden Kraft der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, deren neue Fahne wir heute weihen wollen.

 

Wir übergeben sie damit ihrer Bestimmung und gleichzeitig nehmen wir sie als Symbol der Gesellschaft an. Sie wird mit Stolz getragen werden, so, wie die alte mit Stolz getragen wurde. Und sie wird die Schützen zu ihrem Fest geleiten, sie wird als Zeichen der Wertschätzung die Verstorbenen ein letztes Mal grüßen und die Verbundenheit der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft bezeugen. Einer Gesellschaft, die eben nicht nur eine Schießgesellschaft ist und war, sondern die sich in früheren Tagen den Schutz und die Erhaltung der Stadt, heute eher die Bewahrung der Traditionen zur Aufgabe gemacht hat.

Und so, wie die Fahne in ihren Bildern und Worten für die Pflege der Gemeinschaft steht, bitten wir bei dieser Weihe in erster Linie um den Segen für die, die sich unter und hinter ihr versammeln. Wir bitten um Gottes guten Geist für die, die sich im Sinne der Gesellschaft füreinander einsetzen und die so, mit dieser Fahne als Symbol, sich einander verpflichtet fühlen. Das dies keine leeren Phrasen sind, konnte man in den letzten Wochen und Tagen erleben, als so viele, vor allem junge Menschen, unermüdlich waren in ihrem Einsatz, um die Straßen der Stadt vorzubereiten, auf unser großes Fest.

Nehmen wir also die Fahne der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft bei, lassen wir uns darauf ein, uns von ihr erinnern und ermahnen zu lassen, damit unsere Freunde vollkommen werde, so, wie es im Philipper-Brief heißt:

Gibt es nun bei Euch Ermahnung in Christus, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass Ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht nur auf das seine, sondern auch auf das, was dem anderen dient. (Philipper 2, 1-4)

 

Dechant Bernward Mezqer:

Liebe Schützenbrüder, wenn ich den Apostel Paulus so reden höre, da bin ich fast versucht zu sagen, er könnte Ehrenscheffe oder gar Patron der Friedrich-Wilhelms- Gesellschaft sein, wobei unser Patronat schon durch den heiligen Jodokus besetzt ist, den wir eher unter seinem Spitznamen Pott Jost verehren. ... Einfach einnehmig und eines Sinnes zu sein, dazu müssen wir uns ja nicht gerade ermahnen lassen. Wenn ich einem, der hier fremd ist, erklären müsste, was die Friedrich-Willhelms- Gesellschaft und ihr Schützenfest ausmacht, dann würde ich es fast genau mit diesen Worten tun.

Die Gründungsväter haben der Friedrich-Willhelms-Gesellschaft einen Wahlspruch mit auf den Weg gegeben, der schon die alte Schützenfahne geziert hat und nun auch auf der neuen zu sehen ist: Reddit Conjunctio Tutos. Der Landrat Fritz Thomee hat das auf der letzten Fahnenweihe 1912 etwas mutig übersetzt: Einigkeit macht stark. Sein Lateinlehrer möge ihm verzeihen.

Denn die Worte Einigkeit macht uns stark stehen da nicht. Ist allerdings ein bisschen schwierig, die Lateinstunden will ich heute trotzdem nachholen: Also, conjunctio , das ist in der Tat die Vereinigung, die Gesellschaft, wir reden über uns. Reddit, da wird’s schon schwieriger. Es heißt: sie gewährt. Mögen bitte die Herren im Vorstand, die Scheffen das als Appell betrachten, großzügig zu sein, uns etwas zu gewähre in diesen Tagen. Man könnte es auch übersetzen: Sie macht zu etwas, sie macht etwas mit uns. In der Tat, ich merke es. Sie lässt vor allem jeden von uns spüren, dass er hier zählt, dass er wichtig und unverzichtbar ist. Eine weitere Möglichkeit wäre: es versetzt in einen Zustand. (Ich kenne diesen Zustand, ich genieße ihn, jedenfalls am Abend. Den Morgen danach rede ich mit meinem Beichtvater.) Die Gesellschaft macht also etwas mit uns. Tutos. Die Schützen. Das lateinische Wort gibt es leider nicht. Tutos, das sind diejenigen, die etwas bewahrt haben oder die sich um etwas gekümmert, es beschützt haben, sie haben das schon gemacht. Ich glaube, darum geht es. Eben nicht darum, dass wir alle drei Jahre die Schützenmütze aus dem Schrank holen und gucken, ob sie von den Motten verschont geblieben ist. Nein, keine Angst, die Motten mögen kein Bier! Sondern es geht darum, dass wir mit Leib und Seele in dieser Gesellschaft sind, dass wir uns dafür einsetzen, dass Freundschaft, Eintracht, Zusammenhalt leben in dieser Stadt, dass diese Stadt Altena lebenswert und liebenswert, dass Menschen, die hier hinkommen und ganz fremd sind, merken: Wir sind hier zu Gast bei Freunden.

 

Spieß:

Kompanie stillgestanden! Mützen ab zum Gebet!

 

Dechant Bernward Mezger:

Der Name des Herrn sei gepriesen, von nun an bis in Ewigkeit.

Lasst uns beten.

Du Ursprung aller Gemeinschaft. Segne die neue Fahne unserer Friedrich-Wilhelms- Gesellschaft und schließe alle, die diesem Zeichen folgen, zu einer Gemeinschaft des Friedens und der Hilfsbereitschaft zusammen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Und das Weihwasser, mit dem die Fahne nun besprengt wird, ist ein Zeichen, nicht nur der Taufe, die viele von uns empfangen haben, sondern des Lebens [...]

 

Pfarrerin Gudrun Vogel:

Herr unser Gott, wir danken Dir, dass es auch in Altena Menschen gibt, die für das Wohl der Stadt einstehen und die sich in fröhlicher Gemeinschaft treffen. Schließe alle, die sich unter dieser Fahne [...]

Lass diese Fahne Ermutigung und Ermahnung sein, zum Verantwortungsbewusstsein und gegenseitiger Hilfe. Lass sie zum Zeichen werden für unsere Bereitschaft, die Freude am Leben miteinander zu teilen. Und gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Herr, unser Gott, erhöre unser Gebet und schenke unserer Zeit Frieden von Deinem Frieden, da mit Deinem Geist der Freude bei unserem feiern ist. Amen.

 

Spieß:

Mützen auf!

 

Blasorchester:

Großer Gott, wir loben Dich

 

Vom Film abgeschrieben von Ariane Schmidt im Herbst 2006

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: Unbekannter Fotograf

Foto 2: Unbekannter Fotograf