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Schützenlexikon

Thomas-Morus-Gebäude

Das Thomas-Morus-Gebäude an der Friedhofstraße im Ortsteil Mühlendorf ist heute ein Stadtteilzentrum. Um die Pflege und Unterhaltung des Gebäudes kümmert sich der gemeinnützige Verein „Freunde der Heimatpflege im Altenaer Stadtteil Mühlendorf“. Ursprünglich handelte es sich bei dem Gebäude um eine katholische Kirche.

 

Geschichte

Die älteste katholische Kirche in Altena war die um 1318 errichtete Katharina-Kirche in der Kirchstraße. Ab 1535 wurde an der Kirche die Reformation eingeführt. Dies war ein Prozess, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckte. Ab 1584 gab es in Altena für exakt 200 Jahre keine katholische Kirchengemeinde mehr. Der Gegensatz zwischen Lutheranern und Calvinisten führte 1612 bis 1624 zu erbittertem Streit um die Auslegung des Abendmahles, sowie um die Stadtkirche und die dazugehörigen Einnahmen. Die alte Katharinenkirche wurde 1624 endgültig lutherisch.

Als im Jahre 1784 Aachener Nadelarbeiter für die „stählerne Nähnadel-Fabrique“ nach Altena kommen sollten, forderten diese, dass ihren religiösen Bedürfnissen entsprochen werde. Die Teilhaber der Nähnadelfabrik richteten auch an König Friedrich den Großen den Antrag, die Anstellung eines katholischen Geistlichen zu genehmigen. Der König kam dem Antrag 1785 unter einigen Bedingungen nach.

Da die Kirchgemeinde von 1784 bis 1847 unaufhaltsam wuchs, wurde die Errichtung eines Gotteshauses notwendig wurde. Ein Grundstück innerhalb der Stadt konnte die Gemeinde nicht erwerben, so dass außerhalb des Ortes „Auf dem Sande“ der Platz gewählt werden musste, auf dem die jetzige Pfarrkirche steht.

Die erste katholische Kirche nach der Reformation wurde am 28.10.1847 konsekriert. Da die katholische Kirchengemeinde inzwischen sehr gewachsen war, nicht zuletzt infolge des Baues der Ruhr-Sieg-Strecke der Eisenbahn, wurde die Errichtung einer größeren Kirche notwendig. Die alte Kirche wurde abgebrochen und an gleicher Stelle zwischen 1896 und 1899 die heutige St. Matthäus-Kirche errichtet.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele, meist katholische Flüchtlinge aus den Ostgebieten nach Altena. Einen weiteren Bevölkerungswachstum beschwerte die Wirtschaftswunderzeit. Für die Zugezogenen wurde unter anderem am Breitenhagen, aber auch am Knerling und am Pragpaul und im Mühlendorf Wohnraum geschaffen.

Mit der Gesamtbevölkerung wuchs die katholische Gemeinde weiter an. Gerade die Vertriebenen gestalteten das Leben der Pfarrgemeinde in den nächsten Jahrzehnten wesentlich mit.

Die Entfernung zur Pfarrkirche St. Matthäus war für die Gemeindemitglieder in den entlegenen Stadtteilen jedoch eine große Belastung.

 

Am zweiten Ostertag des Jahres 1947 wurde für die Gemeindemitglieder des Stadtbezirks Knerling / Tiergarten zum ersten Mal eine Messe in ihrem Stadtteil gefeiert: Der Inhaber der Gaststätte "Am Papenberg" (Scheffe Josef Winkens) stellte der katholischen Gemeinde einen Raum zur Verfügung, den die Gläubigen bis 1949 nutzten.

Im Sommer 1949 wurde dann eine Baracke gekauft, die am Tiergarten als Notkirche errichtet wurde. Eine Tochtergemeinde begann zu entstehen.

Auch im Mühlendorf wurde die katholische Gemeinde aktiv: Am ersten Adventssonntag 1953 erhielt der Bezirk Mühlendorf eine eigene Gottesdienststation. Im städt. Jugendheim an der Linscheidstraße (heute Stadtwerke) wurde der sonntägliche Gottesdienst gefeiert: Keimzelle der späteren St. Thomas Morus-Gemeinde.

 

Die Planungen der Kirchengemeinde gingen an beiden Lenneufern weiter. Dies lag insbesondere daran, dass es damals die Linscheidbrücke (Fertigstellung 1977) noch nicht gab und der Weg von einer Kirche zur anderen daher über die Große Brücke am Markaner führte. Obwohl die beiden Notkirchen nur 400 Meter Luftlinie auseinander standen, betrug der tatsächliche Weg zwischen den Kirchen damals fast 3000 Meter.

 

Im Jahr 1964 hatten die Gemeindemitglieder bereits so viele Kirchenbauspenden gesammelt, dass die geforderte Eigenleistung vorhanden war, um eine richtige Kirche am Tiergarten zu errichten.

Am 23. Mai 1966 wurde die "Waldkapelle am Tiergarten" abgerissen. An ihrer Stelle wurde die neue Kirche "Vom Frieden Christi" nach einem Entwurf des bekannten Kölner Architekten Hans Schilling erbaut werden. Die Messen wurden solange in der benachbarten evangelischen Melanchthon-Kirche gefeiert. Am 14. Juli 1968 konnte in der neuen Kirche "Vom Frieden Christi" der erste Gottesdienst gefeiert werden und am 26. Oktober 1968 konsekrierte Bischof Dr. Franz Hengsbach aus Essen die Kirche "Vom Frieden Christi".

 

Nur vier Monate zuvor, am 25. Mai 1968 wurde auf der anderen Seite der Lenne - im Bezirk Mühlendorf - der Grundstein für eine dritte katholische Kirche in Altena gelegt.

Architekten waren das Ehepaar Mechthild und Hans Ulrich Gastreich aus Dortmund. Die Kirche hat eine eindrucksvolle Altarfrontseite, die in senkrechter Gliederung breite vertikal unterteilte Fenster und Betonwände in die Dachschräge eingepasst zeigt. Zwei pylonenartige verbundene Turmpfeiler markieren, oben abgeschrägt-gespitzt, die Giebelmitte.

Diese Kirche an der Friedhofstraße bot 250 Sitzplätze, eine Sakristei sowie einige Funktions- und Versammlungsräume im Untergeschoss. 1971 wurde sie als „St.-Thomas-Morus-Kirche“ konsekriert.

In Planung war neben der Kirche auch der Bau eines Pfarrhauses, jedoch konnte ein benachbartes Wohnhaus für diesen Zweck von der Firma Fr. & H. Lüling GmBH gekauft werden.

Altena hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 30.000 Einwohner.

 

Am 1. Dezember 1975 trat die neue Gebietsstruktur in der katholischen Pfarrei Altena in Kraft: Aus der Pfarrei St. Matthäus wurden die beiden neuen Kirchen „St-Thomas-Morus“ und „Vom-Frieden-Christi“ gemeinsam als Expositur abgetrennt. Die Kirche "Vom Frieden Christi" wurde dabei als Filialkirche der Expositur "St. Thomas Morus" zugeordnet.

 

1995 wurde die Kirche „Vom Frieden Christi“ von der katholischen Pfarrei schließlich aufgegeben und an die neu entstandene serbisch-orthodoxe Gemeinde in Altena vermietet.

 

Zehn Jahre später, also im Jahr 2005, gab die katholische Gemeinde schließlich auch die St.-Thomas-Morus-Kirche auf. Sie wurde profaniert und stand zunächst ungenutzt leer. Zu diesem Zeitpunkt hatte Altena fast ein Drittel seiner Einwohner verloren.

Das Pfarrhaus wurde um das Jahr 2010 von der Kirchengemeinde an eine Privatperson verkauft. Für das Kirchgebäude fand sich zunächst jedoch kein Nutzer.

 

 

Die neue Nutzung

Vor dem Schützenfest 2009 musste die letzte Gaststätte „Zum Kölschen Joe“ an der Ecke Hegenscheider Weg / Iserlohner Straße im Mühlendorf schließen. Beim Kränzebinden 2009 konnte die Kompanie Mühlendorf die Gaststätte jedoch noch selbstbewirtschaftet nutzen. Vor dem Schützenfest 2012 zeichnete sich jedoch ab, dass sich die Schützen im Mühlendorf ein neues Quartier suchen mussten.

 

Nach erfolgreichen Gesprächen mit dem Vorstand der katholischen Kirchengemeinde durften die Schützen die ehemalige Kirche zum Kränzebinden nutzen und richteten sie ab Januar 2012 nach ihren Vorstellungen her.

Das größte Problem war zu Anfang die defekte Heizungsanlage für den riesigen Gebäudekomplex. Zunächst half die Firma Moldenhauer hier mit Elektroheizungen aus, die das Gebäude zwar warm, die Heizkosten aber teuer machten.

 

Bei Schützen und Gästen der Kompanie Mühlendorf kam die neue Lokalität hervorragend an, so dass sich der Kompanievorstand um eine dauerhafte Lösung bemühte.

Dazu gründete sich 2014 der gemeinnützige Verein „Freunde der Heimatpflege im Altenaer Stadtteil Mühlendorf“. Vorsitzender des Vereins wurde Alt-Schützenkönig Eckhard Kittendorf.

Ziel des Vereins ist es wieder Leben in den Bezirk zu bringen. „Vielen fehlen in diesem Stadtteil Gasthöfe mit größeren Räumen, wo man auch mal größer feiern kann“, beschrieb Kittendorf die Lage bei einem Interview mit einer heimischen Zeitung im September 2014.

 

Anfang des Jahres 2016 wurde eine neue Gasheizung eingebaut, neben dem Heizungsraum ist eine Einbauküche mit großer Arbeitsplatte installiert. Der gegenüber liegende Tagungsraum wurde saniert, die Toiletten und auch das einstige Kirchenschiff wieder ansprechend hergerichtet. „Auf Trab halten uns die Umlagen“, so Kittendorf. „Das sind allein 2500 Quadratmeter, die gepflegt werden müssen.“

Ein fester Helferkern der 100 Mitglieder, die sich dem Erhalt des Gebäudes verschrieben haben, packt mit an, um die Pflegekosten gering zu halten. „Und wir haben Freunde und Förderer“, so der Vorsitzende. Die Mühlendorfer Kränzebindergemeinschaft habe viel getan – Sponsoren haben Geld gegeben.

 

Seit 2016 sind auch “Auf Draht“ – Freies Theater Altena e. V. und der DRK-Blutspendedienst regelmäßige Nutzer des Thomas-Morus-Gebäude. Die Räume können auch für private Veranstaltungen z.B. Geburtstage, Hochzeiten, Ehejubiläen angemietet werden.

 

Der gut eingeführte und bekannte Name des Patrons wurde für die ehemalige Kirche beibehalten, so dass die Mühlendorfer ihn beibehalten haben. Der Bau trägt nun den Namen „Thomas-Morus-Gebäude“.

 

 

Vorstand:

Die Vorstandsmitglieder bei der Vereinsgründung waren die Scheffen Eckhard Kittendorf (Vorsitzender), Andreas Opitz (Zweiter Vorsitzender), Dirk Gerland (Schriftführer) und Ulrich Grabowski (Kassierer).

 

 

Namenspatron Thomas Morus

Thomas Morus (englisch Thomas More; * vermutlich 07. Februar 1478 in London; † 6. Juli 1535 in London) war ein englischer Staatsmann und humanistischer Autor. Er ist ein Heiliger und Märtyrer der römisch-katholischen Kirche. Sein Gedenktag ist der 22. Juni.

 

Der geachtete Rechtsanwalt, Parlamentarier und Unterhändler Thomas Morus wurde 1529 vom englischen König Heinrich VIII. zum Lordkanzler ernannt. Er sollte den Papst dazu bewegen, die Ehe Heinrichs VIII. mit Katharina von Aragón zu annullieren. Mit dieser Ernennung hatte der König seine persönlichen Ziele jedoch weit verfehlt.

Papst Clemens VII. hätte der Aufhebung der Ehe eventuell zugestimmt, wenn ihn der Neffe Katharinas, Kaiser Karl V., nach dem Sacco di Roma (Plünderung Roms durch Söldnerheere) nicht in der Hand gehabt hätte. Nach des Papstes Ablehnung einer Ehe-Annullierung erklärte Heinrich VIII. sich selbst zum Oberhaupt der Kirche von England.

 

Aus Treue zur römisch-katholischen Kirche legte Thomas Morus am 16. Mai 1532 lieber sein Amt als Kanzler nieder, als einer aus seiner Sicht sündigen Regierung zu dienen. Möglicherweise standen auch gesundheitliche Beschwerden hinter seinem Rücktrittsgesuch.

 

Trotzdem sollte Thomas Morus im April 1534 einen Treueeid auf den König leisten und ihn als einzige Autorität für geistliche Belange und weltliche Verfügungsgewalt über Kirchen, Klöster und Abteien anerkennen. Weil Thomas Morus dies ablehnte, wurde er – gemeinsam mit Bischof John Fisher von Rochester – im Tower von London eingekerkert. Beide wurden vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt.

Am 6. Juli 1535 wurde Thomas Morus im Alter von 57 Jahren auf dem Schafott auf dem Tower Hill hingerichtet. Das Urteil sah die für nichtadelige Hochverräter übliche Todesart vor: das Hängen, Ausweiden und Vierteilen. Das Urteil wurde jedoch vom König in Enthauptung ohne vorherige Folter abgeändert. Morus' Kopf wurde einen Monat lang auf der London Bridge zur Schau gestellt und dann von einer seiner Töchter gegen Zahlung eines Bestechungsgeldes heruntergeholt.

 

1886 sprach die katholische Kirche Thomas Morus selig. Die Heiligsprechung erfolgte 1935, zu einer Zeit, als die Konflikte zwischen NS-Regime und katholischer Kirche durch Nichtachtung der Konkordatsvereinbarungen und Menschenrechtsverletzungen durch die Nationalsozialisten immer offenkundiger wurden.

Am 31. Oktober 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron der Regierenden und der Politiker.

 

 

Von Thomas Morus stammt außerdem u.a. ein Zitat, dass auch in der altehrwürdigen Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft gerne verwendet wird:

 

„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“

 

 

Quellen:

Altenaer Kreisblatt von 2012 und 2014

Altena - Beitrag zur Heimat und Landeskunde 1988 von Wilhelm Bolte

www.wikipedia.de / 2016

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Autor: Christian Klimpel / 2016; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

Foto 1: L. Teschner / 1994

Foto 2+3: Radio MK / 2012

Foto 4: Björn Braun www.lokalstimme.de / 2015

Bild 5: Hans Holbein, der Jüngere (Gemeinfrei)